Handlungsanleitung

Teamteaching: Binnendifferenzierung durch Einzelförderung

Beim Teamteaching stehen mindestens zwei Lehrende im Kurs bereit, die kooperativ für eine didaktische Differenzierung und damit mehr Individualisierung der Lernbegleitung innerhalb eines pädagogischen Settings sorgen. Dies gewährleistet vor allem in größeren Lerngruppen aus Sicht von Teilnehmenden und Lehrenden eine Anreicherung der Unterstützungsleistung: quantitativ durch mehr Lehrpersonen, qualitativ durch eine größere Vielfalt an professioneller Kompetenz und erweiterten Möglichkeiten der inneren Differenzierung. Teamteaching ist also eine organisatorische Form, die eine breite Methodenvielfalt, das spezifischere Eingehen auf unterschiedliche Voraussetzungen, Interessen und Bedarfe sowie verschiedene Grade selbsttätigen Lernens ermöglicht.

Beschreibung

Die Lehrenden haben bei dieser Methode die Aufgabe, gemeinsam einen mehrdimensionalen Lernraum zu gestalten. Das bedeutet, sie sollten in den Zielstellungen der anzuregenden Lernprozesse übereinstimmen und Absprachen zum Einsatz von Methoden sowie zur Aufgabenverteilung untereinander getroffen haben. Zudem erfordert die Planung, Durchführung und Reflexion des Lehr-/Lernprozesses eine beständige und intensive wechselseitige Koordination und Zusammenarbeit des Teams.

Teamteaching ist – neben vielen anderen möglichen Variationen – beispielsweise in folgenden Formen anwendbar:

  • So kann die Gesamtgruppe in eine „Regelgruppe“ und eine „Fördergruppe“ eingeteilt werden, die für die Lernenden durchlässig bleibt.
  • Oder zwei Lehrende teilen sich flexibel die Aufgabe des gemeinsamen Unterrichts sowie parallel dazu die Unterstützung Einzelner und wechseln sich dabei gegenseitig ab.
  • Auch eine zeitweise Aufteilung der Gesamtgruppe in Kleingruppen bzw. Untergruppen mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten einschließlich deren Begleitung lässt sich durch diese Methode darstellen.

Die Methode Teamteaching sollte nach Möglichkeit über einen längeren Zeitraum umgesetzt werden und die Lernenden in die Teamkonzeption mit einbeziehen, um den Nutzen für alle Beteiligten erfahrbar zu machen.

Einsatz

Grundsätzlich lässt sich diese Methode bei den unterschiedlichsten Lerngruppen und Lerninhalten anwenden. Hier sind zunächst keine Grenzen gesetzt. Besonders bewährt hat sich das Teamteaching, wenn es darum geht, verschiedene Ziele in einer Gruppe zu verfolgen. 

 Zielgruppe

Diese Methode ist prinzipiell für alle Zielgruppen sinnvoll einsetzbar. Teamteaching empfiehlt sich jedoch insbesondere für größere Gruppen. Bei Kleingruppen ist es nur dann zweckmäßig, wenn die Voraussetzungen, Bedarfe, Ziele und Lernwege in hohem Maße differieren.

Teamteaching Schritt für Schritt

Schritt 1: Klärung der Möglichkeiten und des Mehrwertes durch Teamteaching auf der Ebene der Organisation sowie Begründung der Methodenwahl.

Schritt 2: Festlegung des Teams für das Teamteaching und der entsprechenden Rollenverteilung der Teammitglieder.

Schritt 3: Klärung der Unterrichtsorganisation, Zielstellungen, Lehrhaltungen, Aufgabenverteilung und Zeiträume.

Schritt 4: Information und Absprachen mit der betreffenden Lerngruppe (ggf. auch bereits bei Schritt 3).

Schritt 5: Durchführung sowie systematische, kooperative Prozess- und Ergebnisreflexion bzw. Evaluation im Team.

Voraussetzungen und Rahmenbedingungen

Innerhalb des Lehrenden-Teams bedarf es eines Wissens um und einer Reflektiertheit in Bezug auf die Vielfalt der Kompetenzbereiche, z. B. hinsichtlich der individuellen Stärkenausprägungen und methodischen Vorlieben. Vielfalt und Offenheit muss sich z. B. auf Aufgabenstellungen, Methodenauswahl, Gruppenzusammenstellungen, räumliche Aufteilung etc. beziehen. Hierzu müssen sich die Lehrenden immer wieder neu abstimmen. Die Bereitschaft zur gemeinsamen Reflexion der Begleitung von Lernprozessen auf einer Metaebene ist also für die Lehrenden unabdingbar.

Ferner braucht es, je nach Ausgestaltung des Settings, genügend räumliche Möglichkeiten und ggf. Materialausstattung für methodische und individuelle Differenzierung sowie Vielfalt. In aller Regel ist auch die wirtschaftliche Komponente ein Faktor, den es sorgfältig zu bedenken gilt. Es bedarf also auch der finanziellen Mittel für das Teamteaching.

Pro & Contra

Für das Teamteaching spricht die Erweiterung des Spektrums unterschiedlicher didaktischer und methodischer Gestaltungsmöglichkeiten durch den kooperativen Einsatz mehrerer Lehrender. Zudem kann aufgrund der gegenseitigen Unterstützung eine Entlastung und Weiterentwicklung der Lehrenden hinsichtlich Planung, Durchführung und Reflexion der Lernarrangements erreicht werden.

Teamteaching ermöglicht des Weiteren eine stärkere Orientierung an den Bedürfnissen, Interessen, Lernstilen und Voraussetzungen der Lernenden sowie deren intensivere Förderung mittels Binnendifferenzierung. Dies beinhaltet auch eine vertiefte Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden.

Als problematisch hingegen ist anzumerken, dass die notwendige Offenheit für das Teamteaching und die Transparenz für das eigene pädagogische Vorgehen nicht bei allen Lehrenden vorhanden ist. Sind die Lehrenden im Teamteaching nicht gut abgestimmt in Unterrichtsorganisation, Lehrhaltungen, Zielstellungen etc., so kann dies zu unterschwelligen Konflikten zwischen ihnen führen und bei den Teilnehmenden Irritationen hervorrufen, die für den gemeinsamen Lernprozess wenig förderlich sind.

Teamteaching ist auch in die Gesamtkultur der Bildungsinstitution, sofern diese vorhanden ist, oder in die Kultur des Durchführungsortes einzubetten und anzuschließen, um Konflikte und Widerstände für die Lernenden zu vermeiden. Transparenz und Abstimmungen sind somit auch mit dem jeweiligen kulturellen und institutionellen Kontext herzustellen.

Ein wesentliches Problem stellen häufig die fehlenden finanziellen Mittel dar.

Weiterführende Hinweise

Weitere Informationen finden Sie u. a. unter

http://methodenpool.uni-koeln.de/download/teamteaching.pdf

www.uni-magdeburg.de/didaktik/cms/upload/cont.../Teamteaching.pps

 

CC BY SA 3.0 by Rosemarie Klein für wb-web


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