Kommunikative Kompetenz im Katastrophenfall
Microsoft Copilot. (2026). Krisen- und Katastrophenkommunikation: Informationsfluss zwischen Rettungsdiensten, Behörden und Bevölkerung [KI-generierte Illustration]. Microsoft Copilot. Erstellt am 12. Oktober 2026
Kommunikativ erzeugte Krisen waren und sind in der Pädagogik ein Mittel, Lernanlässe zu erzeugen (vgl. ausführlich dargestellt bei Manhart & Wendt 2025, S. 69ff). Frigga Haug (2013) nannte es "Erfahrungen in die Krise [zu] führen" und meinte damit, das Lehrende "Lernverweigerung (...) in Bewegung bringen" , indem bei Lernenden Gewohnheiten und Haltungen hinterfragt und fertiges Wissen erschüttert werden, um "das Stehenbleiben auf Positionen, die selbst das Ergebnis von Erfahrungsverarbeitung sind, zu verunmöglichen" (57). Dies bedarf kommunikativer Kompetenzen auf Seiten der Lehrenden, um solche Lernanlässe professionell zu begleiten. In Katastrophenfällen außerhalb des pädagogisch gestalteten und geschützten Raums ist Kommunikation eine zentrale Kompetenz, um Problemen zu begegnen. Der Ratgeber "Vorsorgen für Krisen und Katastrophen" des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe nennt hier beispielsweise die Kommunikation mit Einsatzkräften im Ernstfall oder auch das Bereithalten einer Powerbank, um das Smartphone laden zu können, die Installation von Warn-Apps oder der Besitz eines Kurbelradios, um einige Aspekte zu nennen.
Mit dieser Dossierfolge bietet wb-web Lehrenden Informationen zur Kommunikativen Kompetenz. Konflikte können eine (ungewünschte) Begleiterscheinung in Veranstaltungen sein, denen man sich widmen muss und die zugleich die Chance bieten, Kommunikative Kompetenzen auszubauen. Wir stellen Methoden und didaktische Settings vor, die die Möglichkeit bieten, Teilnehmende auf den Umgang mit Krisen und Katastrophen vorzubereiten. Ein weiterer Augenmerk liegt auf der Heterogenität der Lernendengruppe, die als Ressource für die Bearbeitung derartiger Themenbereiche verstanden werden soll. Weiterführende Materialien wie Buchempfehlungen und Hinweise auf Apps runden das Angebot ab.
Quellen
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (Hrsg.) (2025). Vorsorgen für Krisen und Katastrophen
Haugg, F. (2013). Lernen lehren und Lehren lernen. In: Forum Kritische Psychologie 57. S. 34-62
Manhart, S., & Wendt, T. (2025). Krisenlernen. Zur Andragogik der Krisenkommunikation. In: Zeitschrift für Weiterbildungsforschung – Report 48. S. 65–88
Kommunikative Kompetenz
Nicht nur im Kursgeschehen ist Kommunikative Kompetenz eine Grundlage für erfolgreiche Verständigung zwischen Lehrenden und Lernenden. Insbesondere bei Katastrophen ist sie wichtig für die Informationsgewinnung und Verständigung mit dem Umfeld. Der Wissensbaustein Kommunikative Kompetenz gibt praxisbezogen Antwort auf vier zentrale Fragen Kommunikativer Kompetenz: ob, wann, zu wem und auf welche Weise eine Kommunikation in einer sozialen Situation angemessen ist.
Konfliktkommunikation
Wenn Menschen zusammenkommen, sind Konflikte vorprogrammiert. So ist es auch im Kursgeschehen. Konflikte zu erkennen, zu moderieren und konstruktiv zu lösen, ist eine Herausforderung für Lehrende. Konflikte entstehen auch Gleichzeitig bietet das Erlernen bzw. des Einübens eines Handlungsrepertoires zum Umgang mit Konflikten Lernenden die Chance, dieses Know-how in Krisensituationen zu übertragen. Die nachfolgende Sammlung an Materialien bietet Lehrenden eine Übersicht an Checklisten und Handlungsanleitungen, wie Konflikte im Kursgeschehen bearbeitet werden können. Anzumerken sei jedoch, dass Krisen und Katastrophen nicht automatisch zu sozialen Konflikten führen. Die Forschung konnte aufzeigen, dass insbesondere bei Naturkatastrophen Menschen stärker zusammenhalten, hilfsbereiter und spendenfreudiger sind, sich eher ehrenamtlich engagieren und weniger kriminell sind. Betroffene zeigen eine höhere soziale Resilienz, auch wenn unklar ist, wie sozialer Zusammenhalt und Konflikt zusammenhängen (vgl. Blanco u.a. 2017)
Quelle
Calo-Blanco, A., Kovářík , J., Mengel, F., & Romero, J.G. (2017). Natural disasters and indicators of social cohesion. PLoS ONE 12(6): e0176885. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0176885
Störungen und Konflikte
Diese Sammlung von Links fokussiert die Rollenkonflikte der Lehrenden aus persönlicher Sicht und in Bezug auf Konflikte mit der Gruppe von Lernenden.
Wenn das Rollenspiel zum Ernstfall wird
Rollenspiele sind eine bewährte Methode für die Simulation von Erstfällen. Sie können aber auch entgleiten und eskalieren. Wann ist für Kursleitende der richtige Zeitpunkt für eine Intervention und wie kann diese dann aussehen?
Wenn der Konflikt in der Lerngruppe eskaliert
Ein Konflikt lässt sich nicht vermeiden, es knallt, Fronten drohen sich zu verhärten, Kommunikation scheint unmöglich, der Konflikt eskaliert. In der folgenden Checkliste geht es auf den ersten Blick nicht um Lösungen, auf den zweiten Blick aber doch.
Das Kritikgespräch bei Konflikten
Rahmensetzung, Information, Austausch der Sichtweisen, Lösungssuche sind die vier Schritte des Kritikgesprächs. Sie können bei Konflikten eingesetzt werden oder selbst Gegenstand eines Kommunikationstrainings sein und z.B. im Rollenspiel erprobt werden.
Konfliktlösung
Zwischenmenschliche Konflikte und Auseinandersetzungen treten daher überall dort auf, wo Menschen miteinander interagieren, auch im Kurs. Dann kann es sinnvoll sein, wenn Kursleitende eine aktive Rolle in der Konfliktlösung einnehmen. Sechs Schritte sind dafür nötig.
Autorität stärken
Manchmal ist es besser, besonnen und souverän aufzutreten. Das vermittelt nicht nur die notwendige Autorität als Lehrkraft, sondern die Teilnehmenden werden auch froh sein, wenn die Austragung von Konflikten hintangestellt wird. Dieses Verhalten kann als Vorlage für eigene krisenhafte Kommunikation nachgenutzt werden.
Katastrophen und Krisen als Lerngegenstand
Weitere Methoden zur Entscheidungsfindung und Problemlösung
Die Parlamentsdebatte
In der Methode geht es darum, Regeln des Miteinanders sowie der sachgerechten Erörterung und Problemlösung zu erproben und zu erleben. Damit eignet sie sich für den Erwerb Kommunikativer Kompetenzen und der Lösung nicht-triviale Probleme, was auf Krisensituationen übertragen werden kann
Das Forumtheater
Die Methode des politischen Rollenspiels geht auf Augusto Boal zurück. Sie bietet keine vorgefertigte Lösung, sondern eine Auseinandersetzung mit einer konkreten Situation. Es ist eine Probe, Analyse und Suche .
Hühner für Ghana
Es gibt eine Ausgangssituation mit einem an die Realität angelehnten Problem, das gelöst werden soll. Alle Teilnehmenden schlüpfen in die Rollen der beteiligten Gruppen. Sie diskutieren, streiten und suchen Kompromisse, um eine Lösung zu finden, die ihre Interessen berücksichtigt.
Von- und Miteinander lernen
Das Gruppenpuzzle
Mit dem Gruppenpuzzle kann die Expertise der einzelnen Gruppenmitglieder einer heterogenen Lerngruppe allen Lernenden zugänglich werden. So kann Wissen über den Umgang in unterschiedlichen Krisenszenarien in die Gruppe transferiert werden.
Anleiten von Gruppenarbeiten
Gruppenarbeit kann zu Situationen führen, die nicht beabsichtigt waren: Teilnehmende arbeiten nicht zusammen, die eigenständige Arbeit fällt schwer, nicht alle Teilnehmenden arbeiten engagiert und motiviert mit. In diesem Fallbeispiel Szenarien analysiert und Vorgehensweisen zur Lösung vorgeschlagen.
Stationenlernen
Das Stationenlernen ist eine lebendige Methode der Binnendifferenzierung. Lernende können einerseits interessenorientiert vorgehen , andererseits über den Besuch der verschiedenen Stationen Übung in verschiedenen Zugängen zu einem Thema bekommen. Wie Stationenlernen umgesetzt werden kann, erfahren Sie in dieser Handlungsanleitung
Materialien
Passende Buchvorstellungen
Praxisperspektive Lehr-/Lernprozess
Bessere Katastrophen üben
Zum Kollapscamp kommen ganz unterschiedliche Menschen: Neugierige und Besorgte, Aktive aus der Klimabewegung, Leute vom THW. Vorwissen braucht niemand, nur Lust, sich gemeinsam und solidarisch auf Krisen vorzubereiten. Gerriet Schwen organisiert das Camp mit und gibt Trainings zu ziviler Katastrophenvorsorge. Im Interview mit wb-web erklärt Gerriet, warum Kollaps nicht das Ende der Welt ist, sondern nur das Ende der Welt wie wir sie kennen... und was Teilnehmende im Camp lernen sowie Lehrende daraus mitnehmen können.