Handlungsanleitung

Keine Barrieren im Netz

Barrierefreie Materialien und Multimedia sind die Voraussetzung dafür, dass auch behinderte Menschen erfolgreich an E-Learning und Blended Learning teilnehmen können. Welche Hindernisse bieten Internetseiten für behinderte Menschen und wie vermeiden Sie sie in Ihrem E-Learning-Angebot?

Was ist Barrierefreiheit?

Barrierefreiheit ist die Voraussetzung für Teilhabe. Jeder Mensch soll die Möglichkeit haben, am Leben teilzunehmen und teilzuhaben. Barrierefrei nach § 4 des Behinderten-Gleichstellungsgesetzes (BGG) sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind.

Gestaltete Lebensbereiche sind dabei nicht nur Gebäude und bauliche Infrastrukturen, sondern eben auch andere gestaltete Bereiche, wie beispielsweise Internetseiten und informationstechnische Einrichtungen, zu denen auch E-Learning zählt.

Die barrierefreie Gestaltung ist Grundvoraussetzung dafür, das E-Learning von Menschen mit Beeinträchtigung genutzt werden kann. Diese nutzen Informations- und Kommunikationstechnologie ebenso häufig wie Menschen ohne Behinderungen. Allerdings müssen die Prinzipien der Barrierefreiheit bei der Gestaltung berücksichtigt werden:

Prinzip Erläuterung Beispiel
Wahrnehmbarkeit Alle Inhalte, gleich ob Bild, Ton oder Video, müssen für alle Nutzerinnen und Nutzer wahrnehmbar sein. Menschen, bei denen eine Sinnesbehinderung vorliegt, benötigen entsprechende äquivalente Inhalte.

Stellen Sie Ihre Materialien daher immer für die Aufnahme über zwei Sinneskanäle zur Verfügung, beispielsweise visuell und auditiv.

So können Studierende ein Bildelement sowohl visuell betrachten oder sich durch textliche Äquivalente auditiv erläutern lassen.

Bedienbarkeit Nicht alle Menschen bedienen Computer mit einer Standardtastatur und -maus. Insbesondere Menschen mit einer motorischen Behinderung arbeiten am Computer häufig mit alternativen Eingabegeräten. Achten Sie daher darauf, Ihre Inhalte zu strukturieren und mit Formatvorlagen zu formatieren, um die Navigation mit alternativen Eingabegeräten zu erleichtern.
Verständlichkeit Der Aspekte der Verständlichkeit umfasst neben dem Verstehen der Inhalte auch das Verstehen der Bedienung, des Umgangs mit und die Nutzbarkeit von Informationstechnik. Bezogen auf E-Learning bedeutet dies, dass sämtliche Inhalte für alle Nutzerinnen und Nutzer verständlich sein sollten. Zur Unterstützung der Verständlichkeit sollten Sie Ihre Materialien gut strukturieren, Verzeichnisse anlegen, Bildbeschreibungen nutzen, das Ziel eines Links definieren, Texte durch äquivalente Bilder ergänzen und eine intuitive Benutzung Ihres E-Learnings fördern.
Robustheit Informationstechnologie ist dann robust, wenn sie sowohl mit aktueller als auch mit zukünftiger Technik funktioniert. Hilfsmittel und assistive Technologien, mit denen Menschen mit Behinderung arbeiten, werden laufend weiterentwickelt, allerdings sind nicht alle Nutzer mit der jeweils aktuellsten Version ausgestattet. Daher ist es wichtig, Informationstechnologie standardkonform zu gestalten.  Wählen Sie daher immer gängige Programme und Formate, die mit den meistgenutzten Technologien kompatibel sind.

Die Prinzipien der Barrierefreiheit (Quelle: https://www.fk-reha.tu-dortmund.de/fk13/de/Studium_und_Lehre/E-Learning/Barrierefreies_E-Learning/index.html)

Barrierefreies E-Learning – ein Beispiel aus der Praxis

Barrierefreie E-Learning-Angebote für die berufliche Weiterbildung sind noch Mangelware. Digitales Lernen für den Beruf findet in barrierefreier Form jedoch schon in einzelnen Betrieben statt. Die Allianz AG zum Beispiel hat ein solches Angebot für ihre Belegschaft maßschneidern lassen. Der Versicherungskonzern wurde auf der Bildungsmesse didacta in Stuttgart für sein barrierefreies, interaktives Lernskript zum Thema Sachversicherung mit dem eLearning Award 2014 ausgezeichnet.

Das Konzept wird hier  vorgestellt. 

CC BY SA 3.0 DE by Sonja Klante für EULE/wb-web


Das könnte Sie auch interessieren

Passende Wissensbausteine

Passendes Material

Digitalisierung in der Erwachsenenbildung

Foto Kaffee, Tablet, Handy und Stift

Mit Smartphone, Tablet und Laptop bringen Teilnehmende heute ganz selbstverständlich ihre eigenen digitalen Geräte mit in Kurse und Trainings, Workshops und Vorträge – unabhängig vom Thema. Für Erwachsenenbildung und Weiterbildung bieten sich damit neue Chancen für das Lernen, das abwechslungsreicher, individueller und kreativer gestaltet werden kann. Auch die Lehrenden können von digitalen Medien profitieren, wenn sie um die neuen Möglichkeiten wissen und professionelle Vernetzungsangebote kennen.

Zum Dossier