Food Literacy

Das Bild zeigt eine Pizza, deren Zutaten als Blumenwiese arrangiert sind.

Pizza (Bild: Susanne Witt, CC BY SA 3.0)

Food Literacy - das Wissen um Lebensmittel und Ernährung steht im Mittelpunkt dieser Dossierfolge. Beides hängt stark mit Gesundheit, aber auch mit nachhaltiger Entwicklung zusammen.  In der Erwachsenenbildung  wird  das Thema Ernährung  zudem als Vehikel für lebensnahe Bildungsinhalte wie Spracherwerb  verwendet. Hier stellen wir Ihnen Inhalte  aus dem Themenfeld Food Literacy  vor: Food Literacy

  • zur Vermittlung  von Lebensmittel- und Ernährungskompetenz
  • als Thema für Gesundheit und nachhaltige Entwicklung
  • als Aufhänger für Spracherwerb, hier Deutsch als Fremd-/Zweitsprache.

Je nach Fokus differenzieren sich die Schwerpunkte der Kursangebote und Materialien aus.  

Definition und Kompetenzraster

Food Literacy definiert sich als die Fähigkeit, den Ernährungsalltag selbstbestimmt, verantwortungsbewusst und genussvoll zu gestalten (Büning-Fesel  2008, S. 1; vgl. Groeneveld et  al.  2011; Döbert und Anders  2016).  Diese Definition wurde in Anlehnung an Bezeichnungen wie  Health Literacy  und  Consumer Literacy  bei den Partnern des gleichnamigen Sokrates-Grundtvig-Projekts innerhalb der deutschsprachigen europäischen Länder eingeführt (2005–2007).

Laut Johannsen & Schlapkohl (2019)  fehlen im Kontext der Alphabetisierung und Grundbildung Lernangebote, die ernährungs- und bewegungsbezogene Inhalte thematisieren. Ebenso besteht ein Mangel an qualitätsgesicherten Materialien, die Handlungsfelder mit der Grundbildung verknüpfen und so Bildungsangebote fördern. Hierzu wurden ein Kompetenzraster und Kompetenzmodelle entwickelt. Beides wird in dem Artikel "Food & Move Literacy in der Erwachsenenbildung" beschrieben.

Literatur

Büning-Fesel, M. (2008). Food Literacy: Die Förderung von Selbstbestimmung und Entscheidungskompetenz im Ernährungshandeln. bwp@ Spezial 4 - HT2008

Cullen, T.; Hatch, J.; Martin, W.; Higgins, J.W.; Sheppard, R. (2015). Food Literacy: Definition und Rahmen für Maßnahmen. Can J Diet Pract Res. doi: 10.3148/cjdpr-2015-010. 

Groeneveld, M., Grünhage-Monetti, M., Klinger, M., & Wilhelmi, I. (2011b). Food Literacy im Alphabetisierungskurs – Lesen und Schreiben schmackhaft machen.

Döbert, M., & Anders, M. P. (2016). Health Literacy im Kontext von Alphabetisierung und Grundbildung. In J. Korfkamp & C. Löffler (Hrsg.), Handbuch zur Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener. Münster: Waxmann.

Johannsen, U., Schlapkohl, N. & Kaiser, B. (2019). Food & Move Literacy in der Erwachsenenbildung – Kompetenzanforderungen im Bereich der Alphabetisierung und Grundbildung. ZfW 42, 265–287. https://doi.org/10.1007/s40955-019-0128-x

Food Literacy zur Vermittlung  von Lebensmittel- und Ernährungskompetenz

Kompetenzraster Food Literacy

Das Kompetenzraster Ernährung für die Grundbildung „Food Literacy“ benennt die Kompetenzen, die benötigt werden, um den Ess- und Ernährungsalltag selbstbestimmt und verantwortungsbewusst zu gestalten. Unterteilt wird das Kompetenzraster in Handlungsebenen, Kompetenzdomänen, mögliche Subdomänen, Verstehen/Wissen, Bewerten/Entscheiden und Anwenden/Handeln. Das Kompetenzraster wurde vom Bundeszentrum für Ernährung und von der Europa-Universität Flensburg entwickelt und steht kostenfrei zum Download zur Verfügung.

Europäisches Kerncurriculum 

Das „Europäische Kerncurriculum“ bündelt Inhalte und Lernziele der Ernährungsbildung. Es wird von dem WHO Regional Office for Europe zur Verfügung gestellt. Das Kerncurriculum beschreibt, welche „Allgemeinbildung“ Schülerinnen und Schülern nach Beendigung der Schulpflicht haben sollen. Dieser Bereich der Allgemeinbildung gilt in gleichem Maße für die Grundbildung.

Das Internetportal evb-online.de bietet Informationen und Forschungsergebnisse zur Ernährungs- und Verbraucherbildung (EVB). Das Portal entstand im Rahmen des Forschungsprojekts REVIS (Reform der Ernährungs- und Verbraucherbildung in allgemeinbildenden Schulen, 2003.2005). Das Projekt hatte zum Ziel, Bildungsziele und Kompetenzen zu definieren, ein Kerncurriculum und Standards zu entwickeln und festzulegen.

Food Literacy Curriculum 

Das Food Literacy Center in Sacramento ist eine Non-Profit-Einrichtung, die auf ihrer Webseite neben einem Curriculum Food Literacy für Kinder eine Rezeptsammlung den Nutzer*innen zur Verfügung stellt. Die Materialien können auch in der ernährungsbezogenen Grundbildung für Familien eingesetzt werden. Die englischsprachige Seite bietet so Anregungen für eine abwechslungsreiche Ernährung.

Nutri-Score und die "Big Four"

Auf diesem Bild ist der Nutri-Score abgebildet.

Nutri-Score  A (Public Domain)

Der Blogbeitrag "Pandemie – Gesundheit – Neujahrsvorsätze"  greift das Thema  Gesundheit auf und stellt u.a. den Nutri-Score auf. Dieser ist seit  Herbst 2020 auf Lebensmittelverpackungen zu finden.  Er gibt Verbraucher*innen eine schnelle Orientierung, ob das Lebensmittel zu einer ausgewogenen Ernährung beiträgt oder nicht. Hierzu nutzt das Label eine 5-stufige Farbskala von dunkelgrün (A) bis rot (E). Ersteres steht für eine eher günstige Nährstoffzusammensetzung. So können User*innen gleichartige Lebensmittel wie z.B. Pizzen nach ihrem Nährstoffwert untereinander vergleichen (Witt 2021).

Darüber hinaus  werden in dem Beitrag die „Big Four“ einer nachhaltigeren Ernährung  Gesundheit, Soziales, Umwelt und Tierwohl zusammengefasst und ihre Bezüge untereinander beschrieben.

Die Grafik zeigt die "Big Four" der Ernährung: Tierwohl, Umwelt, Soziales und Gesundheit.

Abbildung: Quelle: Politik für eine nachhaltigere Ernährung (2021). Die „Big Four“ einer nachhaltigeren Ernährung. (eigene Darstellung)

Der Beitrag erschien  unter der Lizenz CC BY 4.0 am 19. Januar 2021 auf der  Plattform EPALE und kann hier abgerufen werden.

Quelle:  Witt, S. (2021). Pandemie – Gesundheitsbildung –  Neujahrsvorsätze.

Informationsdienst für Ernährung

Der food-monitor sammelt innerhalb seines Internetauftrittes zahlreiche Informationen zum Thema Ernährung. Es gibt ein  Lexikon für Ernährungswissen, wie auch  speziell für Obst, Gemüse und  Gewürze und passend dazu auch eine Rezeptgalerie. Eine große Rubrik mit Ratgebern zu verschiedenen Gebieten wie Warenkunde, Lebensmittel oder Ernährung und Gesundheit sammeln Wissen, Tipps und Antworten auf zahlreiche Fragen rund um die verschiedenen Rubriken.  Wer möchte, kann sich  über den kostenlosen Newsletter regelmäßig mit den neusten Informationen rund um das Thema Ernährung  versorgen lassen.

EssKult.net

Das Netzwerk Ernährungskultur e.V. ist aus dem Zusammenschluss der Arbeitsgemeinschaft für Ernährungsverhalten e.V. (AGEV) und dem Internationalen Arbeitskreis für Kulturforschung des Essens (IAKE) im Jahr 2015 entstanden. Ziele des Netzwerkes sind a) den Austausch zwischen der sozial-, kultur- und naturwissenschaftlichen Ernährungsforschung und b) die Zusammenarbeit von Forschung und Praxis zu fördern, sowie c) wissenschaftliche Erkenntnisse der interdisziplinären Ernährungsforschung mit Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit zu diskutieren.

Hierzu bietet das Netzwerk Veranstaltungen, Publikationen und weitere Aktivitäten seiner Mitglieder auf der Webseite EssKult.net an.

App Alphabeet 

Das Bild zeigt ein Kräuter- und Gemüsebeet.

Basilikum (Bild: Susanne Witt, CC- BY-SA 3.0)

Die kostenlose App für den eigenen Gemüsegarten unterstützt Hobbygärtner*innen bei der Planung des eigenen  Gemüsebeets.  Neben umfangreichen Informationen zu Standortfaktoren und Pflanznachbarschaften steht eine Community mit Erfahrung und Wissen  den Nutzer*innen zur Seite. Daneben bietet die App Alphabeet eine detaillierte Pflanzenbibliothek.

Die  Anwendung wurde im Rahmen des Green Start-up Förderprogramms  entwickelt. Mit der praktischen Unterstützung  bei der Anlage und Bewirtschaftung des eigenen Gemüsegartens zielen die Entwickler*innen  des Start-ups farmee darauf ab, einen Beitrag zu bewusster Ernährung , Nachhaltigkeit und umweltfreundlicherem Konsum zu leisten.

Food Literacy als Thema für Gesundheit und nachhaltige Entwicklung

KlimaFood

- Blog

KlimaFood
KlimaFood ist ein IN FORM-Projekt (11/20 bis 12/23), welches eine klimafreundliche und gesundheitsfördernde Ernährungsbildung von vulnerablen Gruppen durch verschiedene zielgruppenorientierte Aktionen fördert. Vermittelt werden alltagspraktisches Wissen und Kompetenzen, die in der eigenen Lebenswelt direkt angewendet werden können. Umgesetzt wird das Projekt durch die Europa-Universität Flensburg, in Kooperation mit Praxispartner*innen wie der Landesvereinigung für Gesundheit Schleswig-Holstein, Equippers Flensburg e. V. und der Tafel-Akademie gGmbH.

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Food & Move Literacy in der Erwachsenenbildung

Die Förderung von Ernährungs- und Bewegungskompetenzen zielt auf einen gesundheitsfördernden und nachhaltigen Lebensstil ab. Hierzu müssen Materialien, die beide Handlungsfelder mit der Grundbildung verknüpfen, entwickelt und in eine alltagsnahe Gesundheits-, Ernährungs- und Verbraucherbildung eingebunden werden. Das für die Entwicklung der Materialien notwendige Kompetenzraster und –modell beschreibt systematisch Kompetenzanforderungen und Lerninhalte von Food & Move Literacy.

In dem Artikel werden Raster und Modell vorgestellt. Daneben finden Nutzer*innen und Programmplanende sowie Dozent*innen eine theoretische Fundierung und empirische Ableitung für den Lerngegenstand Ernährung und Bewegung sowie den Nutzen im Kontext von Weiterbildungen.

Der Artikel steht im Open Access zur Verfügung.

Johannsen, U., Schlapkohl, N. & Kaiser, B. (2019). Food & Move Literacy in der Erwachsenenbildung – Kompetenzanforderungen im Bereich der Alphabetisierung und Grundbildung.  ZfW 42,  265–287 (2019).

"Genießen können"

"Beim Thema 'Essen' können alle mitreden, denn es betrifft jeden", formulieren Claudia Müller und Matilde Grünhage-Monetti in ihrem Beitrag Food-Literacy - Selbstbestimmung und Entscheidungskompetenz im Ernährungsalltag fördern.  Sie stellen in ihrem Beitrag den Ansatz von Food Literacy vor, die Bildungsziele, die sie verfolgen und die Chancen, die sich durch Food Literacy für die Erwachsenenbildung ergeben. 

Der Zeitschriftenaufsatz ist im forum erwachsenenbildung (3/08) veröffentlicht worden. Im Beitrag wird auf eine Toolbox zum Thema aufmerksam gemacht. Diese ist aber leider nicht mehr verfügbar.

Sie finden den Beitrag hier.

Dr. Rainer Wild-Stiftung

Die Dr. Rainer Wild-Stiftung versteht sich als eine der führenden Wissensplattformen für den interdisziplinären, wissenschaftlichen Austausch zum Thema "Gesunde Ernährung". Dabei macht sich die Stiftung vor allem in den Bereichen  Veranstaltungen und Publikationen verdient. Lehrende finden hier vielfältige Informationen mit einem breiten Zugang zum Thema. Abgesehen von den Tagungsbänden stehen die Zeitschriftenaufsätze und weitere Veröffentlichungen zum freien Download zur Verfügung.
Im Jahr 2021 feiert die Stiftung 30 jähriges Bestehen. Dazu gibt es eine Sonderseite mit zahlreichen Zusatzmaterialien wie Interviews und Rückblicke auf Stiftungshighlights zu Themen wie Ernährung, Bildung, Esskultur und Psychologie.

Erfahrungsbericht

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Food Literacy als Anlass für Spracherwerb

ALPHItEB

In dem Projekt "ALPHItEB" wurde das Erlernen der deutschen Sprache mit den gesundheitsförderlichen Themen Food & Move Literacy verknüpft.  Das Projekt schloss die Lücke innerhalb der Schnittstellt zwischen Gesundheits-, Erwachsenenbildungs- und Sozialsystem mit dem Erwerb der Lese- und Schriftsprachkompetenz inklusive alltagsrelevantem Wissen über  Ernährung und Bewegung. 

Ziel der Kooperation war es, (1) die vorhandenen Konzepte zu Food & Move Literacy weiterzuentwickeln, (2) diese in Lehr- und Lernmaterialien zu überführen und (3) bundesweit zu verbreiten (vgl. Heft 1: Implizit Lesen und Schreiben lernen durch Ernährungsbildung und Bewegungsförderung ):

  1. Buchstäblich fit - besser lesen und schreiben lernen mit den Themen Ernährung und Bewegung" (BLE 2017)
  2. Häppchenweise Deutsch - Deutsch lernen mit den Themen Ernährung und Bewegung" (BLE 2019)
  3. Aufgetischt! Spielend Deutsch lernen mit den Themen Ernährung und Bewegung" (BLE 2018)

Das Projekt wurde durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Rahmen des Nationalen Aktionsplans IN FORM finanziell gefördert und von der Europa-Universität Flensburg (EUF) in Kooperation mit dem Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) durchgeführt. 

„Buchstäblich fit“ – Schriftspracherwerb mit allen Sinnen

Logo des Bundeszentrums für Ernährung

Die Speisekarte lesen, einen Kassenbon kontrollieren oder Abfahrtszeiten im Fahrplan heraussuchen: für die meisten eine Selbstverständlichkeit, aber eine große Hürde für Menschen, die Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben haben. Um sie thematisch in ihrem Alltag abzuholen und ihren Schriftspracherwerb zu verbessern, eignen sich die Themen Essen, Trinken und Bewegung besonders gut.

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Food Literacy – Grundbildung zum Schmecken 

Das Bild zeigt eine Frau beim Schreiben und Lesen lernen.

Essen ist ein Thema, bei dem alle mitreden können. Es eignet sich, um Lernende unterschiedlichen Alters oder aus verschiedenen Kulturen ins Gespräch zu bringen. Food Literacy nutzt das Thema Essen als „Vehikel“, um kursspezifische Inhalte zu vermitteln und Gruppenprozesse positiv zu gestalten. Insbesondere in Alphabetisierungskursen hat sich Food Literacy bewährt.

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Essen als Thema in der Erwachsenenbildung

Cover der Broschüre Essen als Thema der Erwachsenenbildung

Das Thema Essen weckt Emotionen bei den Beteiligten und und ist damit für den Kompetenzerwerb bedeutsam. Darüber hinaus regt es den Dialog zwischen Menschen an.  Mit dem Kulturthema Essen als "Aufhänger" für Bildungsangebote können viele Kursinhalte, von der Grammatik bis zur Textverarbeitung, geübt werden. Außerdem lässt sich so das Bewusstsein für Ernährung fördern. Das kostenfrei verfügbare Handbuch des Projekts "Food Literacy" enthält 31 praxiserprobte Übungen, die die Teilnehmenden motivieren und den Lernerfolg verbessern. Gleichzeitig fördern sie die Kompetenzen zur Bewältigung des Ernährungsalltags auch bei sozial benachteiligten und bildungsfernen Gruppen. Es wurde 2020 neu  aufgelegt und steht als kostenfreie pdf  zum Download zur Verfügung.

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