Handlungsanleitung

Kontakt und Austausch beim E-Learning

Die Möglichkeit, sich mit dem Lehrenden und anderen Lernenden auszutauschen trägt entscheidend dazu bei, dass sich die Lernenden in der digitalen Lernumgebung schnell aufgehoben und motiviert fühlen. Um diese Kontakte herzustellen, gibt es verschiedene Möglichkeiten und Formen.

Der direkte Austausch, zum Beispiel in Form von Lern- und Erfahrungsgruppen, Lernpartnerschaften oder Unterstützungssystemen ist wichtigstes Element der Kontaktaufnahme. Das gilt auch für E-Learning-Arrangements. Die Frage, wie der Austausch organisiert ist, ist hierbei zweitrangig.

Ausgefeilte Technik ist kein Garant für intensive Online-Kommunikation. Technikbasierte Unterstützungsformen wie Foren oder Chats müssen initiiert und teilweise auch betreut werden. In jedem Fall muss das Konzept schon in der Einführungsveranstaltung oder -einheit an- und abgesprochen werden.

Online-Kommunikation setzt Medienkompetenz voraus. Die Teilnehmenden müssen nicht nur entsprechende Funktionen der Lernplattform oder des Forums nutzen können, sondern auch in der Lage sein, sich selbst aktiv in eine Diskussion einzuschalten. Diese Medienkompetenz kann nicht bei allen vorausgesetzt werden. Vor allem für unerfahrene Teilnehmer ist es wichtig, dass sie sich direkt und persönlich angesprochen fühlen und die Möglichkeit haben, mit dem Lehrenden direkt in Kontakt zu treten.

Im Fünf-Stufen-Modell der australischen Wissenschaftlerin Gilly Salmon – vorgestellt in der Handlungsanleitung "Das aktive Online-Lehren und Lernen – Das Stufenmodell von Gilly Salmon" - ist es jedoch wichtig, dass sich die Betreuungs- und Kommunikationsmöglichkeiten an der Phase orientierend, in der sich die Lernenden gerade befinden.

Formen der Online-Kommunikation

Beim digitalen Lernen können Informationen in vielfältiger Form in der Gruppe kommuniziert werden. Man unterscheidet hierbei zwischen synchronen und asynchronen Formen:

  • Synchrone Kommunikation: Hier erfolgt der Informationsaustausch zwischen verschiedenen Personen nahezu zeitgleich. Technische Umsetzungen sind zum Beispiel Chat, Instant Messaging (z. B. MSN Messenger, AIM und ICQ) und Videokonferenzen.
  • Asynchrone Kommunikation: Diese Kommunikationsform findet zeitlich versetzt statt. Typische Beispiele sind E-Mails, Diskussionsforen, Newsgroups und Wikis.

Stellt man die beiden Kommunikationsformen gegenüber, so zeigen sich verschiedene Stärken und Schwächen der beiden Ansätze. Diskussionsforen werden etwa im Vergleich zu Chats von einigen Benutzern bevorzugt, da sich diese dort weniger gehetzt fühlen und ihnen mehr Zeit für die Analyse, Reflexion und Ausarbeitung der Beiträge zur Verfügung steht. Synchrone Kommunikationsformen regen hingegen stärker zu einer Debatte über ein Themengebiet an.

Einige Beispiele für Online-Kommunikationsformen sind:

  • Chat
    Ein Chat ist ein synchrones, internetbasiertes und textgebundenes Kommunikationsmedium. Chats ermöglichen es im direkten Austausch mit anderen Chat-Teilnehmern über das Internet in Echtzeit zu kommunizieren. Chat-Dienste sind in erster Linie als Plattformen für den ungezwungenen Online-Austausch populär, sie sind allerdings auch aus didaktischer Perspektive interessante Kommunikationsmedien.
  • Forum
    Ein Forum ist ein Nachrichten- bzw. Diskussionsbereich zur asynchronen Kommunikation, in dem Nutzer in Diskussion treten können. In einem Forum können die Studierenden zu selbst gesetzten oder vom Veranstalter vergebenen Themen debattieren. Der Einsatz eines webbasierten Diskussionsforums bietet zusätzliche Flexibilität hinsichtlich der zeitlichen Koordination der Diskussion.
  • E-Mail/Mailingliste
    Die elektronische Post ist noch immer einer der meist genutzten Dienste im Netz. Unabhängig von der geographischen Entfernung benötigt eine E-Mail meist nur wenige Minuten, um den Adressaten zu erreichen. Eine Mailingliste ist ein Verteiler für E-Mails, der zentral über einen so genannten Listserver verwaltet wird. Eine Nachricht kann auf diese Weise an eine einzige E-Mail-Adresse versandt und über den Listserver automatisch an alle Abonnenten der Mailingliste verteilt werden.
  • Weblog
    Weblogs (auch Blogs genannt) finden sich zunehmend als fester Bestandteil von Online-Portalen. Sie bieten zum einen Möglichkeiten für direkte Nutzer-Kommentare, zum anderen hat sich das Weblog zu einem eigenständigen Format entwickelt.
  • Wiki
    Wikis (auch WikiWiki genannt) sind Werkzeuge zur kooperativen Erstellung und Bearbeitung von Internetseiten. Das Besondere an Wikis ist ihre Offenheit. Sie basieren auf dem Prinzip, dass Nutzer alle Seiten innerhalb der Wiki-Umgebung nach eigenen Wünschen bearbeiten und verändern können. Indem die Nutzer die eingestellten Seiten untereinander verlinken, entstehen hypertextuelle Strukturen.
  • Soziale Netzwerke
    Der Begriff des „Netzwerkens” umschreibt Verhaltensweisen, die Personen zum Aufbau, zur Pflege und zur Nutzung sozialer Beziehungen zeigen. Diese lassen sich nicht mehr nur im beruflichen Kontext beobachten, auch für Bildung und Privates gewinnen die omnipräsenten sozialen Netzwerke an Bedeutung.
  • Twitter
    Twitter ist ein Echtzeit-Informationsnetzwerk, das ein kostenloses Publizieren von Kurznachrichten über das Internet ermöglicht. Die Plattform stellt die erste und wohl auch bekannteste Microblogging-Plattform im Internet dar.

 

CC BY SA 3.0 DE by Sonja Klante für EULE/wb-web


Quelle

Meier, R. (2006). Praxis E-Learning. Gabal


Das könnte Sie auch interessieren

Passende Wissensbausteine

Passendes Material

Digitalisierung in der Erwachsenenbildung

Foto Kaffee, Tablet, Handy und Stift

Mit Smartphone, Tablet und Laptop bringen Teilnehmende heute ganz selbstverständlich ihre eigenen digitalen Geräte mit in Kurse und Trainings, Workshops und Vorträge – unabhängig vom Thema. Für Erwachsenenbildung und Weiterbildung bieten sich damit neue Chancen für das Lernen, das abwechslungsreicher, individueller und kreativer gestaltet werden kann. Auch die Lehrenden können von digitalen Medien profitieren, wenn sie um die neuen Möglichkeiten wissen und professionelle Vernetzungsangebote kennen.

Zum Dossier