Handlungsanleitung

Konfliktfreie Arbeit in Kleingruppen 

Gruppenarbeit ist eine beliebte Methode in der Erwachsenenbildung. Doch vor allem zu Beginn einer Veranstaltung kann es schwierig sein, Gruppen zu bilden, die motiviert arbeiten. Wie dies erreicht werden kann, schildert diese Handlungsanleitung.

Die Tatsache, dass Gruppenmitglieder Konflikte vermeiden wollen, muss auch bei der Bildung von Arbeitsgruppen berücksichtigt werden. Solange es noch keine stabilen Beziehungen untereinander gibt, wird die Wahl von Mitstreitern für eine zu bildende Kleingruppe zum Problem, denn Entscheidungen für die Zusammenarbeit mit einer Person scheinen zugleich die Abwahl anderer zu bedeuten.

Gruppenbildung

Aus diesem Grund übernimmt zunächst die Leitung diese Entscheidung und teilt die Teilnehmenden in Kleingruppen ein. Für eine kurze, spontane Zusammenarbeit können zu Anfang der Einfachheit halber die nebeneinander Sitzenden eine Gruppe bilden. Später bieten sich diverse Losverfahren an. Wenn es um persönliche und vertrauliche Themen geht, sollten die Teilnehmenden selbst bestimmen können, mit wem sie in einer Gruppe zusammenarbeiten wollen. Dafür hat sich ein einfühlsames Heranführen an die Entscheidung bewährt.

Variante: Arbeitsgruppen bilden durch Blickkontakt

Alle Gruppenmitglieder stehen auf und nehmen Blickkontakt zueinander auf. So stellt sich allmählich heraus, wer mit wem zusammen in einer Kleingruppe sein möchte. Jetzt gehen diejenigen aufeinander zu, die einander gegenseitiges Interesse signalisiert haben.

Zeitmanagement

Nicht immer merken sich die Gruppenmitglieder zu Beginn der Arbeit die Uhrzeit. Deshalb ist die Ankündigung „in zwanzig Minuten treffen wieder alle zusammen“ oft unklar. Den Zeitpunkt zu benennen, ist weitaus günstiger: „Um 10.30 Uhr geht es gemeinsam weiter.“ Manchmal tendieren einzelne Kleingruppen im Eifer des Lernens dazu, die Zeit zu überziehen. Ein sanfter Hinweis kann helfen: „Die letzten drei Minuten beginnen!“

Wenn es im Seminar stärker um persönliche Themen geht, darf die Zeit für Gruppenarbeit großzügig bemessen sein, weil nun auch das Interesse an den anderen Personen befriedigt werden will. Dieses Interesse gilt es zu unterstützen: Mit steigendem Kontakt wächst die Chance zum Aufbau positiver Beziehungen zwischen den Beteiligten. Zeitdruck dagegen produziert Stress, der den Teilnehmenden die Freude am Zusammenarbeitsprozess nehmen kann. So jedoch kommen die Teilnehmenden leicht in Kontakt, weil die Gesprächspartner über die Sachthemen besser zu persönlichen Themen gelangen können.

Kontakte intensivieren

Der Schritt, den Kontakt über Paararbeit und kleinere Gruppen zu intensivieren, führt für die Teilnehmenden schneller zum Gefühl größerer Sicherheit als der Weg nur über das Plenum. Sie können dabei meist bemerken, dass auch andere Gruppenmitglieder ähnliche Interessen und Befürchtungen wie sie selbst haben. Das Gruppenklima verliert so viel schneller seine anfängliche Anonymität und es beginnt die Phase der Zusammenarbeit. Der Start des Seminars verläuft positiv.

Die erste Gruppenphase erfordert auch von Kursleitenden Mut. Ganz am Anfang haben sie noch keinen Kontakt zur Gruppe. Das macht es schwer, ein Gefühl für die situative Stimmigkeit der eigenen Entscheidungen zu entwickeln. Trotz dieser Schwierigkeit müssen Leitende mit ihrem Handeln Maßstäbe setzen. Diese Checkliste führt die Punkte auf, die sie dabei beachten sollten.


Quelle

Szepansky, W.-P. (2010). Souverän Seminare leiten. Bielefeld: W. Bertelsmann. S. 146 ff.


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