Wissensbaustein

ProfilPASS

Stärken erkennen – Stärken nutzen

Schulwissen und Zertifikate – die Fähigkeiten eines Menschen umfassen weit mehr als das. Wie aber ermittelt man diese? Hier kommt der ProfilPASS ins Spiel. Berater und Beraterinnen stehen mit diesem Instrument Jugendlichen und Erwachsenen in Entscheidungsprozessen bei Übergängen und Neuorientierungen mit ihrer Expertise zur Seite. (2. überarbeitete Auflage, Mai 2017)

DefinitionWas ist das?

Der ProfilPASS dient der Kompetenzermittlung und -dokumentation im Rahmen lebenslanger Lernprozesse. Er erfasst informell und non-formal erworbene Kompetenzen, macht diese sichtbar und dokumentiert diese. Das sind Fertig- und Fähigkeiten, die z. B. durch Freizeitaktivitäten, durch ein ehrenamtliches Engagement oder im Freundes- bzw. Familienkreis erworben wurden. Die so erworbenen Kompetenzen ergänzen die in Zeugnissen und Zertifikaten festgehaltenen Fertigkeiten und Fähigkeiten.

Das ProfilPASS-System - Kompetenzverständnis

(Filmausschnitt)

Das vollständige Video finden Sie am Ende des Wissensbausteins.

GeschichteWoher kommt das?

Seit Mitte der 1990er Jahre entstanden in der Wissenschaft verschiedene Konzepte – national wie international – zur Messung und Dokumentation individuell erworbener Kompetenzen. Vor allem auf europäischer Ebene suchte man nach Möglichkeiten,  Fähigkeiten und Kompetenzen anzuerkennen, für die es keine Zertifikate gibt.

Initiiert durch das Projekt „Weiterbildungspass mit Zertifizierung informellen Lernens“ wurde der ProfilPASS in den Jahren 2002 bis 2012 in verschiedenen Projektphasen entwickelt und erprobt. Der ProfilPASS ist deutschlandweit im Einsatz.

Neben dem ProfilPASS für Erwachsene entstand der ProfilPASS für junge Menschen (2007).

Der ProfilPASS für Erwachsene steht in Deutsch, Englisch, Französisch, Griechisch, Spanisch und Slowenisch und der ProfilPASS für junge Menschen in Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch im PDF-Format zum Download zur Verfügung.

Infos zum ProfilPASS

Weitere Informationen zu den unterschiedlichen Formaten des ProfilPASS gibt es online.

Bild des ProfilPASS
Bild des ProfilPASS für junge Menschen

Neue Formate und Preise

(Filmausschnitt)

Das vollständige Video finden Sie am Ende des Wissensbausteins.

MerkmaleWie geht das?

Mit dem ProfilPASS wird ein persönliches Kompetenzprofil im Rahmen eines angeleiteten Reflexionsprozesses erarbeitet. Die systematische Analyse des ProfilPASS basiert auf zwei Säulen: dem ProfilPASS und der professionellen ProfilPASS-Beratung durch speziell geschulte und zertifizierte Beraterinnen und Berater. Im Rahmen des Reflexionsprozesses werden die Kompetenzen aus bedeutenden Lebensbereichen und Aktivitäten in vier Schritten abgeleitet:

  • Benennen: Was habe ich gemacht?
  • Beschreiben: Wie habe ich es gemacht?
  • Auf den Punkt bringen: Was habe ich gelernt?
  • Bewerten: Welches Kompetenzniveau habe ich erreicht?

Der ProfilPASS bietet eine strukturierte Sammlung von Materialien für die Reflexion der bisherigen Berufs- und Lebenserfahrungen, der Kompetenzen und der weiteren Lebensplanung. Die Begleitung dieses Reflexionsprozesses kann als Einzelberatung oder innerhalb einer Gruppe im Rahmen von speziellen ProfilPASS-Kursen stattfinden.

Weitere Informationen zum ProfilPASS finden Sie im Blogbeitrag 

"Vom Heben der Schätze – Der ProfilPASS"

In diesem Blog der Bertelsmann Stiftung diskutieren Fachkräfte und Experten über die Themen Aus- und Weiterbildung.

HandlungsfelderWo brauche ich das?

Der ProfilPASS ist hilfreich in Entscheidungsprozessen der beruflichen Orientierung sowie der persönlichen Entwicklung. Dazu zählen:

  • Berufsorientierung nach der Schule, im Studium und Berufswahl,
  • berufliche Umorientierung,
  • Wiedereinstieg in den Beruf, z. B. nach der Elternzeit,
  • persönliche Entwicklung, z. B. die Suche nach einem passenden Ehrenamt,
  • Übergangssituationen, z. B. Existenzgründungen oder Vorbereitung des Ruhestands.

DiskussionWas wird diskutiert?

Die Qualität von Beratung ist deutschlandweit ein aktuelles Thema. Beispielhaft hierfür steht das Nationale Forum Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung (nfb), das im Rahmen des Verbundprojekts „Koordinierungsprozess Qualitätsentwicklung in der Beratung, Bildung, Beruf und Beschäftigung“ in den vergangenen Jahren Qualitätsmerkmale guter Beratung entwickelt hat.

Auf europäischer Ebene steht die Anerkennung informellen Lernens im Fokus der Diskussion. Beim Aufbau eines formalen Systems zur Kompetenzanerkennung in den europäischen Ländern zeigt sich, dass ein Verfahren in zwei Schritten benötigt wird:

  • ein ergebnisoffener Ansatz der Selbstreflexion (erster Schritt) bietet die Grundlage für den späteren Abgleich der eigenen Kompetenzen mit dem anvisierten beruflichen oder
  • mit dem hochschulischen Kompetenzprofil (zweiter Schritt).

Inwieweit der ProfilPASS bei dem im Deutschland zu etablierenden System der Kompetenzanerkennung zum Einsatz kommt, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehen. 

Internationale BezügeWie sieht man das woanders?

Der ProfilPASS trifft nicht nur in Deutschland auf große Resonanz, sondern auch im Ausland. Im Rahmen des EU-Projektes „KISS“ wurde der ProfilPASS in die Länder (Frankreich, Griechenland, Irland, Spanien und Slowenien) transferiert, um Abbruchquoten in Bildungs- und Ausbildungsmaßnahmen zu reduzieren. Darüber hinaus wird der ProfilPASS im Rahmen eines Projektes an berufsbildenden Schulen in Chile eingesetzt. Seit 2011 fördert die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in mehreren Projekten die Verbreitung des ProfilPASS in Bosnien-Herzegowina.

Kompetenz+Beratung

Auch in anderen Ländern gibt es Projekte zur Ermittlung non-formal und informell erworbener Kompetenzen. So wird in Österreich seit 2012 das Beratungsformat „Kompetenz+Beratung“ angeboten. Auch hier durchlaufen die Berater und Beraterinnen Ausbildungslehrgänge und Evaluierungen.


Service

Verwandte Begriffe

Kompetenzmessung, Lernen en passant, Kompetenzerfassung, non-formale Kompetenzen, informelle Kompetenzen

Literaturliste

  • Bosche, B. & Seusing, B. (2014). Der Profilpass im Unternehmen. Ein Leitfaden für die Praxis. Bielefeld: W. Bertelsmann. Abgerufen von www.die-bonn.de/doks/2014-kompetenz-01.pdf (28.07.2015)
    Der Praxisleitfaden gibt Hilfen bei der Gewinnung von Unternehmen für den ProfilPASS und für die praktische Umsetzung im Beratungsprozess im Unternehmen. 
  • Harp, S., Pielorz, M., Seidel, S., & Seusing, B. (Hrsg.) (2010). Praxisbuch ProfilPASS – Ressourcenorientierte Beratung für Bildung und Beschäftigung. Bielefeld: W. Bertelsmann. 
    Das Praxishandbuch vermittelt theoretische und praktische Grundlagen zur Kompetenzfeststellung und -entwicklung, zu Beratungsansätzen und dem Beratungsverständnis für die Arbeit mit dem ProfilPASS. Eine aktualisierte Auflage wird noch 2017 online erscheinen!
  • nfb – Nationales Forum Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung (Hrsg.). (2011). Qualitätsmerkmale guter Beratung. Abgerufen von www.forum-beratung.de (28.07.2015)
    Die Broschüre (Zwischenstand des Verbundprojekts) stellt Qualitätsmerkmale für den Beratungsprozess in Bildung, Beruf und Beschäftigung vor. In dem Projekt werden Standards bzw. Leitlinien für Qualität und Professionalität für die Akteure im Handlungsfeld Beratung entwickelt.

Quellen

Bosche, B., Hülsmann, K., Neß, H. & Seidel, S. (2017). ProfilPASS – Kompetenzen ermitteln und bilanzieren. In: Erpenbeck, J., von Rosenstiel, L., Grote, S. & Sauter, W. (Hrsg.) , Handbuch Kompetenzmessung. Erkennen, verstehen und bewerten von Kompetenzen in der betrieblichen, pädagogischen und psychologischen Praxis (S. 29-47).  Stuttgart: Schäffer-Pöschel.

Bosche, B. & Seusing, B. (2014). Der ProfilPASS im Unternehmen. Ein Leitfaden für die Praxis. Bielefeld: W. Bertelsmann. Abgerufen von www.die-bonn.de/doks/2014-kompetenz-01.pdf (28.07.2015)

Brandstetter, G. & Kellner, W. (2014). Die Kompetenz+Beratung. Ein Leitfaden. Abgerufen von http://erwachsenenbildung.at/downloads/service/DieKompetenzBeratung.EinLeitfaden.pdf (28.07.2015)

DIE – Deutsches Institut für Erwachsenenbildung, DIPF – Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, & ies – Institut für Entwicklungsplanung und Strukturforschung (Hrsg.). (2006). ProfilPASS – Gelernt ist gelernt. Dokumentation eigener Kompetenzen und des persönlichen Bildungswegs. Bielefeld: W. Bertelsmann.

DIE – Deutsches Institut für Erwachsenenbildung & ies – Institut für Entwicklungsplanung und Strukturforschung (Hrsg.). (2007). ProfilPASS für junge Menschen. Bielefeld: W. Bertelsmann.

Harp, S., Pielorz, M., Seidel, S., & Seusing, B. (Hrsg.) (2010). Praxisbuch ProfilPASS – Ressourcenorientierte Beratung für Bildung und Beschäftigung. Bielefeld: W. Bertelsmann.

Hülsmann, K., Kruse, N., & Seidel, S. (2015). Zwei, die sich ergänzen: ProfilPASS für junge Menschen und Berufswahlpass in der Berufsorientierung. Handreichung mit Erfahrungen und Anregungen aus der Praxis für die Praxis. Abgerufen von www.die-bonn.de/doks/2014-berufswahl-01.pdf (28.07.2015)

Hülsmann, K., Reinshagen, G., Seidel, S., & Walgert, E. (2014). ProfilPASS für junge Menschen: Einsatz in der Schule. Bielefeld: W. Bertelsmann. Abgerufen von http://www.die-bonn.de/doks/2014-berufsberatung-01.pdf

nfb – Nationales Forum Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung (Hrsg.). (2011). Qualitätsmerkmale guter Beratung. Abgerufen von www.forum-beratung.de/cms/upload/Veroeffentlichungen/Eigene_Veroeffentlichungen/qmm_guter_Beratung_2011.pdf (28.07.2015)

Seidel, S., Hülsmann, K., Reinshagen, G., & Walgert, E. (2014). ProfilPASS für junge Menschen. Einsatz in der Schule. Abgerufen von www.die-bonn.de/doks/2014-berufsberatung-01.pdf (31.07.2015)


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Das ProfilPASS-System

In dem anschließenden Video erklärt Katrin Hülsmann,  Deutsches Institut für Erwachsenenbildung e. V. (DIE), das neue ProfilPASS-System. Mit den folgenden Sprungmarken können Sie direkt in die einzelnen Kapitel einsteigen.

  • Neue Formate und Preise                       6:03
  • Nutzerbefragung                                       9:44
  • Neue Internetseiten                               11:42
  • Kompetenzverständnis                         23:00
  • Erweiterungen                                         32:00

ProfilPASS in Einfacher Sprache

Cover des "ProfilPASS in Einfacher Sprache"

Cover (Bild: © W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG)

Der „ProfilPASS in Einfacher Sprache“ wurde auf die Zielgruppe „Neuzugewanderte“ angepasst. Er ist Teil des SCOUT-Toolkits. Der ProfilPASS bietet einen fundierten und umfassenden Ansatz für die Offenlegung und Dokumentation von Kompetenzen, Interessen und Ressourcen der Neuzugewanderten. Das neue Layout bietet vielfältige Visualisierungen, wie beispielsweise Piktogramme, die die Arbeit mit dem ProfilPASS für die Zielgruppe vereinfachen sollen. Ergänzt wird der ProfilPASS in Einfacher Sprache mit biografischen Beispielen aus dem ProfilPASS-Downloadbereich. Hauptaufgaben der Moderierenden sind Unterstützung der Nutzenden, Aufgabenverständnis zu schaffen oder schwierige Begriffe zu erklären.  In einem Glossar werden darüber hinaus 120 schwerverständliche Wörter einfach erklärt. 

Der "ProfilPASS in Einfacher Sprache" zeichnet sich im Einzelnen   durch die folgenden Eigenschaften aus:

  • verkürzte Textpassagen
  • Verwendung von einfacher Sprache
  • verstärkter Einsatz von Visualisierungen, Piktogrammen o.ä., um das Verständnis und den Zugang zu den Texten zu erleichtern
  • inhaltliche Ausrichtung nach der Lebenssituation, den Erfahrungen und der beruflichen Situation von Neuzugewanderten
  • zusätzliche Hilfsmittel (inkl. Moderatoren und Testimonials), die den Zugang zum Text und den Transfer zur den Lebenswirklichkeiten vereinfachen

Hier können Sie  den ProfilPASS  herunterladen:

ProfilPASS in Einfacher Sprache zum Ausdrucken

ProfilPASS in Einfacher Sprache als Desktopversion

Informationen rund um das Projekt SCOUT (aSsessing Competences fOr fUTure) und zu dem SCOUT-Toolkit finden Sie hier.


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