Handlungsanleitung

Erfolgreich lernen im Tandem 

Erwachsene verfügen über „Wissensreservoire“. Sie haben Wissen erlebt und verkörpern Erfahrungen, Kompetenzen und Routinen. Vor allem verfügen sie auch über implizites Wissen. Vor diesem Hintergrund ist Tandem- bzw. Partnerarbeit eine beliebte Methode in Schule und Erwachsenenbildung geworden. 

Üblicherweise bearbeiten Zweier-Gruppen gemeinsam eine Aufgabe. Beim Tandem lernen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Kompetenzen mit- und voneinander. Gelernt wird durch Differenzerfahrungen und Perspektivverschränkungen: Der andere interpretiert ein Problem anders und versucht es anders zu lösen. So stimulieren sich Tandempartner gegenseitig, sie lernen durch Imitation, aber auch „by doing“, wenn sie gemeinsam eine Aufgabe oder ein Problem lösen. Dabei ist jeder Partner Lehrender und Lernender zugleich. Voraussetzung ist die Bereitschaft zuzuhören, Fragen zu stellen und voneinander zu lernen. Konstruktive Tandems erfordern wechselseitige Anerkennung und Vertrauen. Nur wenn beide Seiten als kompetent akzeptiert werden, entsteht eine symmetrische Kommunikation. Nicht nur das Wissen der beiden Partner muss sich ergänzen, sondern auch die „Chemie“ muss stimmen.

Lernen am Arbeitsplatz

In der Automobilindustrie werden Tandems aus älteren Mitarbeitenden im Vorruhestand und jungen Hochschulabsolventen gebildet, die mehrere Monate zusammenarbeiten. Die Älteren vermitteln ihr Erfahrungswissen vor allem durch Erzählungen über erlebte kritische Situationen oder betriebliche Innovationen. Auf diese Weise wird implizites Wissen zur Sprache gebracht.

Bei „kleinen Sprachen“ werden Lerntandems (finnisch-deutsch, rumänisch-deutsch) gebildet, die – mithilfe von Lehrbüchern, aber auch des Internets – miteinander lernen. Bei Bedarf werden Sprachlehrer/innen einer Bildungseinrichtung als Tutor/inn/en zu Rate gezogen. In Lern- und Wissensbörsen werden Lernangebote und Lernnachfragen vermittelt, und es bilden sich informelle Lernpartnerschaften. 

Lernen in Kursen 

Auch in Kursen der Erwachsenenbildung können Tandems gebildet werden, z.B. in Umweltseminaren: ein Naturschützer und ein Techniker; in Erziehungsseminaren: ein Vater und eine Mutter; in einem Kurs zum Thema „Gewalt“: eine Lehrerin und ein Polizeibeamter. Üblich sind Tandems auch in Computerkursen.


Quelle

Siebert, H. (2010). Methoden für die Bildungsarbeit. Bonn: W. Bertelsmann


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