Handlungsanleitung

Methoden für intergenerationelle Lerngruppen: Sozialraumanalyse

Ein sozialraumorientiertes didaktisches Vorgehen eignet sich für intergenerationelle Bildungsangebote, mit denen verschiedene Generationen eines Sozialraums – eines Stadtteils, einer Gemeinde, einer Kommune etc. – angesprochen werden sollen. Der Sozialraum stellt eine Ressource dar, die didaktisch genutzt werden kann.

Eine Möglichkeit, den Sozialraum zu fokussieren und mit den Teilnehmenden gemeinsam zu erkunden, ist eine Sozialraumanalyse. Diese Methode ermöglicht es, den Sozialraum und die Lebenswelt der Lernenden einzubeziehen und damit zum Lernort zu machen. Er wird unter generationenbezogenen sowie unter lern- und bildungsrelevanten Aspekten erkundet. Dadurch werden auch ungewohnte und versteckte Lernorte entdeckt und in den Bildungsprozess integriert.

Die Analyse gliedert sich in drei Schritte: Beobachtung, Reflexion/Recherche und Ergebnisdarstellung.

Sozialraumbeobachtung

Die Teilnehmenden werden dazu angeregt, ihren eigenen Sozialraum genauer in den Blick zu nehmen. Dazu werden ihnen verschiedene Leitfragen an die Hand gegeben (siehe nachfolgende Leitfragenliste).

Reflexion und Recherche

Die Teilnehmenden reflektieren diese Fragen und tragen ihre bereits vorhandenen Erfahrungen und Wissensbestände zusammen. Diese ersten Ergebnisse können durch gezielte Recherche konkretisiert werden. Die Teilnehmenden können sich z. B. mit Kollegen oder mit lokal engagierten Akteuren unterhalten und auf diese Weise Informationen sammeln. Sie können aber auch Exkursionen zu einigen ortsansässigen Einrichtungen durchführen.

Ergebnisdarstellung

Die Darstellung und Diskussion der Ergebnisse spielt in einer Bildungsveranstaltung eine wichtige Rolle. Durch das gemeinsame Arbeiten an den Ergebnissen in Form von Stadtplänen, Landkarten, Mind-Maps, Tabellen, Soziogrammen, Schaubildern oder Collagen können die Ergebnisse strukturiert und reflektiert werden.

Empfohlen wird das Arbeiten mit etwa zehn Personen; bei einer größeren Gruppe kann diese auch aufgeteilt werden.

Die Zeitdauer für Sozialraumanalysen ist von der Vorgehensweise und -intensität der Teilnehmenden abhängig; die Darstellung und gemeinsame Arbeit mit der Lerngruppe dauert etwa 60 Minuten.

Um eine Sozialraumanalyse strukturiert durchzuführen, bedarf es Leitfragen, anhand derer die Teilnehmenden ihre Suchbewegungen im Sozialraum fokussieren. Wenn der Kontakt zwischen Generationen selbst zum Thema gemacht werden soll, bieten sich folgende Leitfragen an.

 

Leitfragen

Erstellen Sie eine auf das Thema zugeschnittene Liste von Leitfragen zu Orten, Akteuren, Problemen und Potenzialen der Generationenbeziehungen. Dabei können Sie auf folgenden Katalog beispielhafter Fragen zurückgreifen:

Fragen zum Thema „Treffpunkte“

  • „Welche Altersgruppen leben wo oder wo halten sie sich auf?“
  • „Wo sind Kinderspielplätze, Jugendtreffs, Schülertreffpunkte, Familienräume, Seniorentreffpunkte?“
  • „Wo sind Begegnungsorte verschiedener Generationen?“
  • „Wo begegnen sich die Generationen eher nicht?“
  • „Welche neuen intergenerationellen Begegnungsorte wären denkbar?“
  • „Was sind die lokalen Themen und Probleme der einzelnen Generationen?“
  • „Wie lauten mögliche generationsverbindende Themen und Probleme?“
  • „Welche generationsspezifischen Konflikte und Probleme gibt es?“
  • „Welche intergenerationellen Konflikte und Probleme gibt es?“
  • „Wie ist das Verhältnis der Generationen zu beschreiben?“
  • „Wie gestaltet sich der demografische Wandel?“
  • „Wie verändert er das Zusammenleben der Generationen?“
  • „Welche politischen Stellungnahmen, Aktionspläne, Leitbilder und Konzepte in Bezug auf generationsübergreifende Ansätze gibt es in der Kommune, von den Parteien und von Nichtregierungsorganisationen?“
  • „Welche generationsübergreifenden Lernorte, Initiativen, Projekte und Aktivitäten gibt es bereits?“
  • „Gibt es Mehrgenerationenhäuser?“
  • „Welche möglichen Kooperationspartner gibt es für unsere Einrichtung?“



Quellen

Franz, J. (2014). Intergenerationelle Bildung. Lernsituationen gestalten und Angebote entwickeln. Bielefeld: W. Bertelsmann.


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