Handlungsanleitung

Wie plane ich die Zeit für meinen Kurs?

Überlegungen zur Zeit sind bei der Kursplanung und -durchführung wichtig. Neben Terminansetzung und Dauer der Veranstaltung sollten Dozentinnen und Dozenten auch über weitere Zeitaspekte nachdenken.

Erwachsenenbildung ist in mehrfacher Hinsicht eine Frage der Zeit. Dabei spielen unterschiedliche Dimensionen von Zeit eine Rolle. Zunächst einmal die Lebenszeit. Hier gilt es zu beachten, ob es lernsensible Phasen in den Biografien Erwachsener gibt. Natürlich sind in unterschiedlichen Lebensphasen unterschiedliche Themen relevant. Besonders bei älteren Lernenden stellt sich die Frage, ob noch hinreichend Lebenszeit zu erwarten ist, um größere Lernprojekte zu beginnen. Auch die Jahreszeit könnte eine relevante Rolle für das Lernen spielen, denn manche Themen sind jahreszeitenabhängig. Dies betrifft z.B. ökologische Exkursionen, Gartenthemen, Meditations- und Besinnungsthemen oder religiöse Themen.

Wichtig für die Aufnahme eines konkreten Kurses sind Veranstaltungszeiten: Sie sind abhängig von den „Freizeiten“ der Zielgruppen. Hier können große Unterschiede auftreten. So kann davon ausgegangen werden, dass z. B. Rentner oder Arbeitslose flexibler sind als Manager oder Alleinerziehende. Generell werden immer kürzere Kurse bevorzugt. Neue „Zeitfenster“ der Erwachsenenbildung sind z. B. „lange Abende“ (vierstündig) oder auch Silvester-/Neujahrsseminare in Heimvolkshochschulen.

Wird ein Kurs besucht, so ist die Teilnahmezeit nicht identisch mit der Lernzeit (die individuell unterschiedlich ist). Bei der mikrodidaktischen Planung sollte ein Wechsel zwischen intensiven und entspannenden Phasen vorgesehen werden. Auch die Vor- und Nachbereitungszeit ist zu berücksichtigen: Lehrende und Lernende sollten sich darüber verständigen, wie viel Zeit zur Vor- und Nachbereitung wünschenswert und möglich ist. Bei der Gesamtplanung eines Kurses spielt natürlich auch das Lerntempo eine Rolle. Manchen Teilnehmenden geht es zu schnell, anderen zu langsam, wieder andere brauchen mehr Zeit zum Nachdenken.

Angebote der Erwachsenenbildung sollten auf die Verfügbarkeitszeiten der verschiedenen Zielgruppen Rücksicht nehmen. Dies gilt z.B. für Schicht- und Saisonarbeiterinnen und für Alleinerziehende, die Kinder zu versorgen haben. Es ist durch zahlreiche empirische Untersuchungen belegt, dass der „Kindereffekt“ sich nachteilig auf das Weiterbildungsverhalten von Frauen auswirkt, wenn keine institutionelle Unterstützung (z.B. Kinderbetreuung) gegeben ist.


Quellen

Siebert, H. (2010). Methoden für die Bildungsarbeit (4. Aufl.). Bielefeld: W. Bertelsmann.


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