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Lernarrangements für den Kompetenzaufbau - Die Zukunft des Lernens Folge 7

Reihen von Tischen und Stühlen, im Hintergrund eine Tafel

Die aktuelle Bildungswelt ist in allen Bereichen immer noch weit überwiegend durch seminaristische, fremdgesteuerte Lehrkonzepte und eine entsprechende Lehrkultur der Fremdsteuerung geprägt. Deshalb bietet es sich an, bei einer Neuausrichtung auf das kompetenzorientierte Lernen die Einführung innovativer Lernangebote schrittweise zu gestalten. Diesen Einführungsprozess, der ausgehend vom Classroom Training durch einen fundamentalen Wandel der Lernformen geprägt ist, beschreibt Werner Sauter, Professor für Bankwirtschaft, Bildungsconsultant und wissenschaftlicher Leiter der Blended Solutions GmbH, in der siebten Folge unserer Blogreihe.

Dabei lassen sich zwei grundlegende Typen unterscheiden:

  • Formelles selbstgesteuertes Lernen im Netz: Einführung von E-Learning und Blended-Learning-Formaten, die den Lernenden zwar gezielt führen, ihm aber einen Spielraum einräumen, die Selbstlernphasen im Rahmen der Vereinbarungen mit dem Lernbegleiter selbst zu steuern und nach seinen Bedürfnissen zu organisieren. Damit wird noch keine Kompetenzentwicklung im Sinne von Handlungssicherheit ermöglicht, durch diese behutsame Einführung von selbstgesteuerten Lernprozessen in Form von E-Learning- und Blended Learning Arrangements wird jedoch die notwendige Lernkompetenz aufgebaut, die eine wesentliche Grundlage der Kompetenzentwicklung bildet. Deshalb empfehlen wir vor allem bei Lerngruppen, die noch keine hohe Reife der Selbstorganisation besitzen, zunächst mit Pilotprojekten aus diesem Bereich zu beginnen.
  • Informelles selbstorganisiertes Lernen im Netz: Integration von herausfordernden Praxisprojekten und -aufgaben in Social Blended Learning Arrangements. Diese selbstorganisierte Kompetenzentwicklung wird im Rahmen der Projekte bzw. herausfordernden Praxisaufgaben und im Netz ermöglicht. Dieser Ansatz eignet sich vor allem für Lerngruppen, die ihre Arbeitsprozesse bereits in hohem Maße selbstorganisiert gestalten. Durch die Möglichkeit, im Rahmen des Lernarrangements Lösungen für ihre eigenen Problemstellungen zu entwickeln, wird dabei eine hohe Motivation erzielt.

Sind es die Lernenden im Laufe der Zeit gewohnt, den Ermöglichungsrahmen zur Bearbeitung ihrer Projekte zu nutzen, werden sie schrittweise dazu übergehen, dieses Instrumentarium auch für grundsätzlich alle Herausforderungen im Arbeitsprozess zu nutzen. Es entwickelt sich damit ein Social Workplace Learning. Arbeiten und Lernen wachsen nach und nach zusammen. Damit bildet Social Blended Learning den Initiator für Social Workplace Learning. Über beide Typen von Lernarrangements hinweg lassen sich zudem verschiedene Abstufungen vornehmen:

Stufe 1: Classroom Training

In Seminaren und Workshops stellen die Lehrenden das notwendige Fach- und Produktwissen dar und tragen über Übungen dazu bei, dass die Lernenden Wissen sichern und sich qualifizieren. Dieses Vorratslernen ist vor allem formeller Art und überwiegend fremdgesteuert. Es erweist sich in der Praxis als in hohem Maße ineffizient, da alle Seminarteilnehmer trotz sehr unterschiedlicher Lerngeschwindigkeiten und -gewohnheiten gleichbehandelt werden. Kompetenzentwicklung ist in diesem Kontext, obwohl immer wieder behauptet, kaum möglich, da die Lernenden keine Möglichkeit bekommen, ihre realen Herausforderungen aus der Praxis zu bearbeiten.

 Stufe 2: E-Learning

Unter E-Learning werden alle Formen von Lernen verstanden, bei denen digitale Medien für die interaktive Bereitstellung und Bearbeitung von Lernmaterialien zur Verfügung stehen.

E-Learning umfasst damit alle Arten von Lernen mit elektronischen Medien ohne physische Präsenz, welche selbstgesteuerten Wissenserwerb ermöglichen. Dazu gehören Web Based Trainings – also interaktive Lernprogramme, welche die selbstständige Erarbeitung von Wissen und die Qualifikation mittels Texten, Bildern, Audio und Video ermöglichen. Oftmals werden in solchen Lernprogrammen auch Lernerfolgskontrollen integriert, um den Lernstand zu ermitteln. Diese Formate haben gemeinsam, dass der Lernende sich die Lernzeit und den Lernort frei gestalten kann. Weiterhin werden auch Echtzeit-Onlinetrainings in Form von Webinaren, welche in einem „virtuellen Klassenzimmer“ zu einem fest definierten Zeitpunkt durch einen Trainer durchgeführt werden, angeboten. Hierbei ist der Lernende frei in der Auswahl seines Lernortes, aber an feste Lernzeiten der Veranstaltungen gebunden.

Ein weiteres Format im Bereich der E-Learning Arrangements sind asynchron durchgeführte Onlinekurse, bei denen sich die Teilnehmer Lerninhalte in der Regel selbst erarbeiten, diese dann aber mithilfe von Diskussionsforen, Blogs oder Wikis mit anderen Lernenden vertiefen und diskutieren oder in kollaborativen Lerngruppen Aufgabenstellungen aus der Praxis im Netz bearbeiten. Eine Ausprägung dieser Onlinekurse sind Massive Open Online Courses (MOOC), welche frei zugänglich sind und oftmals mehrere tausend Teilnehmer haben.

E-Learning ist in erster Linie eine Methode zum Wissensaufbau. Kompetenzentwicklung wird in E-Learning-Arrangements erst dann ermöglicht, wenn die Lernenden, z. B. über Transferaufgaben und Communities of Practice, die Möglichkeit erhalten, eigene Herausforderungen in ihrem Arbeitsprozess zu bearbeiten.

Stufe 3: Blended Learning

Blended Learning bezeichnet die didaktisch sinnvolle Verknüpfung von Präsenzveranstaltungen und
E-Learning zu einem Lernarrangement.

In diesen Lernarrangements werden Phasen des selbstgesteuerten Lernens mit digitalen Medien und Präsenzworkshops oder Praxistrainings zu einem formellen Lernkonzept vereint. Der Wissensaufbau findet dabei primär über selbstgesteuertes Lernen, insbesondere mit E-Learning, statt. Die Annäherung an die Kompetenzentwicklung erfolgt ergänzend über interaktive Übungs- und Transferaufgaben, Fallstudien oder die Kommunikation in Communities of Practice. Diese Aufgaben können sowohl alleine als auch mit Lernpartnern bzw. Lerngruppen bearbeitet werden. Zusätzlich bieten handlungsorientierte Workshops und Praxistrainings die Möglichkeit zur vertiefenden Bearbeitung der Lerninhalte, zur Klärung offener Fragen, zum Üben und Erlernen praktischer Fähigkeiten sowie zur gemeinsamen Reflexion des Lernprozesses. Zur verbindlichen Planung der selbstgesteuerten Lernphasen und zur Unterstützung des gemeinschaftlichen Lernens haben sich Blended Learning Arrangements, die mit einem gemeinsamen Auftaktworkshop starten, bewährt. Die Lernenden können sich dort kennenlernen, bilden Lerntandems und -gruppen und treffen verbindliche Vereinbarungen für die Selbstlernphase. Dabei werden sie durch einen Lernbegleiter unterstützt.

Kompetenzentwicklung ist in diesem Kontext möglich, wenn Transferaufgaben die Teilnehmer dazu bewegen, ihre erworbene Qualifikation auf eigene Herausforderungen im Praxisprozess anzuwenden, über ihre Erfahrungen mit Lernpartnern zu reflektieren und kollaborativ ihre Lösungen zu optimieren.

 Stufe 4: Social Blended Learning

Social Blended Learning ist kompetenzorientiertes Blended Learning durch Verbindung mit einem herausfordernden Praxisprojekt unter Einbindung von Social Software, welche informelles, selbstorganisiertes und vernetztes Lernen ermöglicht.

Die Lernenden organisieren ihren Kompetenzerwerb im Rahmen eines Praxisprojektes selbst, von der Zieldefinition über die Lernplanung bis zum Projektabschluss und zur Erfolgskontrolle. Unterstützung erhalten sie sowohl von ihren Lernpartnern (Co-Coaching) und einem Lernbegleiter (Coach). Ergänzt werden die individuellen Lernaktivitäten durch eine problembezogene Kommunikation im Rahmen einer „Community of Practice“, in der die Lernenden selbstorganisiert ihre Erfahrungen aus den Projekten austauschen und gemeinsam weiterentwickeln.

Diese Lernform ermöglicht den gezielten Kompetenzaufbau, da die Teilnehmer individuelle Kompetenzziele definieren und komplexe Herausforderungen im Arbeitsprozess den „roten Faden“ der Lernprozesse bilden.

 Stufe 5: Social Workplace Learning

Lernen die Mitarbeiter in Social Blended Learning Arrangements den Ermöglichungsrahmen erfolgreich für die Lösung von Praxisaufgaben zu nutzen, werden sie immer mehr dazu übergehen, diese Infrastruktur auch dann einzusetzen, wenn sie eine schwierige Aufgabe zu bewältigen haben. Es entwickelt sich Social Workplace Learning. Dieses findet selbstorganisiert im Prozess der Arbeit und im Netz statt, wenn herausfordernde Problemstellungen zu bearbeiten sind. Lernen erfolgt nicht mehr dann, wenn eine Bildungsmaßnahme angeboten wird, sondern dann, wenn eine Herausforderung zu bewältigen ist. Damit wachsen Arbeiten und Lernen zusammen.

Damit ist Social Workplace Learning die konsequente Ausprägung des selbstorganisierten Kompetenzaufbaus. Die Mitarbeiter definieren in Abhängigkeit von ihren Arbeitsprozessen individuelle Kompetenzziele und planen personalisierte Lernprozesse. Dabei nutzen sie alle relevanten Möglichkeiten, die der Ermöglichungsrahmen bietet. Ihre Lernprozesse werden bei Bedarf von Lernpartnern oder Lernbegleitern sowie Führungskräften unterstützt. Regelmäßige Workshops bieten die Möglichkeit, den Lernprozess zu reflektieren und aktuelle Fragestellungen mit Kollegen und Experten zu bearbeiten.

Grafik zu Social Workplace Learning

Der Weg zum Social Workplace Learning. (Bild: Bertelsmann Stiftung)

CC BY-SA by Werner Sauter für Blog Aus- und Weiterbildung

Kompetenzorientiertes Lernen: Ausblick - Zukunft des Lernens Folge 8

Teleskop vor Bergen am Horizont

Die Zukunft hat vor allem in der betrieblichen Arbeits- und Lernwelt schon begonnen. 2015 gingen gerade einmal 20 Prozent der gesamten Wertschöpfung in der Wirtschaft auf digitale Geschäftsmodelle zurück. 2020 werden es 80 Prozent sein. Nächste Woche im  achten und letzten Teil unserer Blogreihe wirft Werner Sauter einem Blick in die Zukunft des Lernens und Arbeitens.

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Was sind Kompetenzen? Wie können wir sie erwerben? Diesen Fragen geht Werner Sauter, Professor für Bankwirtschaft, Bildungsconsultant und wissenschaftlicher Leiter der Blended Solutions GmbH, in einer achtteiligen Blogserie  nach. Dabei entwirft er ein Bild, wie personalisierte Kompetenzentwicklung in realen Herausforderungen möglich ist.  Wie entwickeln sich Kompetenzen am Arbeitsplatz? Wie trägt die Digitalisierung zur Entwicklung  neuer Lernarrangements bei? Der zweite Teil der Serie beschäftigt sich mit diesen Fragen.
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Aus Büchern erworbenes Wissen ist nicht das gleiche wie aus Erfahrungen und Handeln entstandene Kompetenzen. Im alltäglichen Sprachgebrauch werden die Begriffe Wissen und Kompetenz oftmals gleichbedeutend verwendet. Wissen ist jedoch nicht das wirkliche Ziel des Lernens. Es bildet lediglich die notwendige Voraussetzung für den Kompetenzaufbau. Werner Sauter, Professor für Bankwirtschaft, Bildungsconsultant und wissenschaftlicher Leiter der Blended Solutions GmbH, beschreibt in diesem dritten Teil  der achtteiligen Blogreihe für wb-web, welche Gruppen von Kompetenzen man unterscheiden kann.
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Wie kann man Kompetenzen erwerben? Die Zukunft des Lernens Folge 4

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Wie kann man Kompetenzen erwerben? Die Zukunft des Lernens Folge 4
Kompetenzen basieren, anders als Wissen, auf eigenen Erfahrungen. Deshalb können Kompetenzen nicht vermittelt werden, sondern nur selbstorganisiert – in neuartigen, offenen und realen Problemsituationen kreativ handelnd – erworben werden. Werner Sauter, Professor für Bankwirtschaft, Bildungsconsultant und wissenschaftlicher Leiter der Blended Solutions GmbH, beschreibt in diesem vierten Teil  der achtteiligen Blogreihe für wb-web, wie der Erwerb von Kompetenzen gestaltet werden kann.
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Fünf Prinzipien kompetenzorientierten Lernens - Die Zukunft des Lernens Folge 5

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Fünf Prinzipien kompetenzorientierten Lernens - Die Zukunft des Lernens Folge 5
In der fünften Folge dieser Bogreihe formuliert Werner Sauter  fünf Prinzipien für ein personalisiertes Lernen, das optimal auf den selbstorganisierten Erwerb von Kompetenzen ausgerichtet ist. Dabei folgen die Prinzipien dem Leitspruch „Handeln kann man nur handelnd erlernen“, wie er von Diethelm Wahl  geprägt wurde. Sauter ist Professor für Bankwirtschaft, Bildungsconsultant und wissenschaftlicher Leiter der Blended Solutions GmbH.  
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Kompetenzorientiertes Lernen – Die Zukunft des Lernens Folge 6

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Personalisiertes Lernen, das sich dem jeweiligen Lernenden und seinen persönlichen Bedürfnissen sowie Lerngewohnheiten anpasst, kann mithilfe digitalisierter Systeme optimiert werden. Die Digitalisierung bewirkt jedoch alleine noch keine Veränderung des Lernens. Allerdings schafft sie den Raum für innovative Gestaltungsformen der Lernprozesse. Wie dies aussehen kann, hat Werner Sauter, Professor für Bankwirtschaft, Bildungsconsultant und wissenschaftlicher Leiter der Blended Solutions GmbH,  in der sechsten Folge dieser Blogreihe skizziert.
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