Erfahrungsbericht

Mit dem Talentkompass Stärken bewusst machen

Sich mit der eigenen Biografie auseinanderzusetzen ist für viele Menschen ungewohnt und oft auch unangenehm, wird doch meist nach Schwächen „geforscht“ und wie man diese beseitigen kann. Anders ist dies in der Arbeit mit dem Talentkompass: Stärken werden sichtbar und bewusst gemacht und somit das Selbstvertrauen sowie die Motivation gestärkt, neue Schritte zu gehen.

Das Bild zeigt einen Kompass.

Mit dem Talentkompass wird die Richtung für eine berufliche  Orientierung leichter. (Bild: Unsplash/pixabay.com, CC 0)

 

Der Talentkompass kann sowohl für junge Menschen (ab Fachoberschulreife) als auch für Erwachsene eingesetzt werden, die sich im Prozess einer beruflichen (Neu-) Orientierung befinden.

Mit beiden Zielgruppen habe ich die Erfahrung gemacht, dass es in den meisten Fällen besser ist, nicht das gesamte „Werk“ von Anfang an auszuhändigen. Für manche erscheint die Anzahl der Aufgaben(-blätter) als ein Berg an Arbeit und schreckt sie ab. Andere wiederum springen zwischen den einzelnen Kapiteln, ohne sich ausreichend mit dem begonnen Thema zu beschäftigen.

Die persönlichen Eigenschaften mit Hilfe der Gruppe erkunden

Bei Personen mit wenig Berufserfahrung habe ich vor dem Kapitel „Kraftfelder“, in dem es darum geht Eigenschaften zu erkunden, von Aktivitäten berichten lassen, die ihnen Freude gemacht haben. Die anderen Teilnehmenden mit Berufserfahrung hatten die Aufgabe während dieses Berichts zu notieren, welche Eigenschaften/Fähigkeiten jemand hat, der das Berichtete tut. Am Ende erhält die oder der Teilnehmende eine Sammlung aller Stärken aus Sicht der Gruppenmitglieder. Aus Sicht der Teilnehmenden ist das nicht nur ein Geschenk, sondern ein wichtiger Ausweis persönlicher Wertschätzung!

Wichtig ist es meiner Erfahrung nach, bei der Beschreibung von Tätigkeiten als Moderatorin immer dann einzugreifen, wenn Tätigkeiten eher allgemein beschrieben werden: „Ich habe den runden Geburtstag organisiert, die Einladungen gemacht, das Essen bestellt, die Getränke eingekauft.“ In diesen vier beispielhaften Tätigkeiten stecken eine Vielzahl von Teilkompetenzen, zum Beispiel Planung, Preisvergleich, Absprachen treffen. Diese im Detail zu benennen, macht erst viele Fähigkeiten bewusst!

Die persönlichen Bedürfnisse formulieren, ohne Irritation zu erzeugen

Die Arbeit mit Werten, die für jeden Menschen in unterschiedlichen Lebensabschnitten von Bedeutung sind, ist ein sensibler wie wichtiger Teil der Arbeit mit dem Talentkompass. Für manche Menschen ist der Begriff Werte zu abstrakt. Er kann in der praktischen Arbeit dann gut durch Bedürfnisse ersetzt werden – oder durch die Frage „Was ist jetzt für Sie wichtig?“

Kritisch kann es werden, wenn in Partner- oder Gruppenarbeit mit dem Arbeitsblatt „Beispiele für Werte“ gearbeitet wird, weil jeder von uns einen Begriff mit unterschiedlicher Bedeutung (auf Grund von Erfahrung, Erziehung oder Sprachverständnis) belegen kann. Gerade bei multikulturellen Gruppen ist es die Aufgabe der Lehrkraft, darauf hinzuweisen. Fragen dazu, wie einzelne Werte verstanden werden – etwa „Was genau bedeutet für Sie Sicherheit/Anerkennung?“, helfen dabei, Irritationen durch Missverständnisse und Unverständnis weitestgehend zu vermeiden.

Die persönlichen Potentiale mit Hilfe der Gruppe erkunden

Die größte Herausforderung für die Teilnehmenden stellt das Kapitel „Erkunden“ dar, also aus den zusammengetragenen Ergebnissen neue Ideen für die weitere Deutung und Gestaltung des Lebenswegs zu entwickeln. Auch hier ist die Gruppe von Vorteil: Die „Blicke von außen“ eröffnen oft ungeahnte Möglichkeiten. Es ist wieder ein „Geschenk“ der Gruppe, wenn jede und jeder seine Ideen zu den Übersichten der anderen Teilnehmenden notiert und anschließend übergibt.

Gruppen wie Einzelpersonen haben am Ende der Arbeit oft gesagt, dass sie manche Dinge über sich zwar wussten, aber nicht präsent hatten. Andere Eigenschaften hätten sie nie erwähnt, weil sie ja „normal“ seien. Mit den gesammelten Kompetenzen sind sie gut für Bewerbungsschreiben und Vorstellungsgespräche gewappnet, weil sie immer auch ein praktisches Beispiel zu einer Eigenschaft nennen können statt eine Liste mit oft nicht belegten Stärken aufzuführen.

Uschi Pavelescu ist gelernte Philologin. Sie arbeitet als Weiterbildungsberaterin und Coach bei qualiNETZ GmbH. Sie hat viele Jahre Erfahrungen in der Weiterbildung, u. a. im Bereich Deutsch als Fremdsprache.

CC BY-SA 3.0 DE by Uschi Pavelescu und Christoph Eckhardt für wb-web


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