Chris Nowacki
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Digitale Barrierefreiheit mit SHUFFLE messen
Logo des Shuffle Projektes (Quelle: shuffle-projekt.de).
Digitale Barrierefreiheit sollte keine Bürde sein – sie ist Voraussetzung für inklusive Bildung. Mit dem SHUFFLE-Reifegradmodell steht Hochschulen ein praxisnahes Werkzeug zur Verfügung, um hierzu den eigenen Entwicklungsstand zu erfassen und gezielt weiterzuentwickeln. Doch das Modell bietet auch wertvolle Ansätze für die Weiter- und Erwachsenenbildung.
Digitale Barrierefreiheit als Qualitätsmerkmal
Eine zugängliche digitale Lernumgebung ist nicht nur gesetzliche Pflicht, sondern Ausdruck guter Bildungspraxis. Hochschulen in Deutschland sind durch die UN-Behindertenrechtskonvention, das Behindertengleichstellungsgesetz sowie die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) verpflichtet, ihre Studienbedingungen barrierefrei zu gestalten.
Digitale Barrierefreiheit bedeutet, dass Lernplattformen, Materialien und Tools für alle nutzbar sind – unabhängig von Einschränkungen oder individuellen Lebensumständen. Sie ist damit ein entscheidender Baustein inklusiver und diskriminierungsfreier Bildung.
Auch für die Weiterbildungspraxis hat dieses Thema Relevanz: Lehrende und Bildungsanbieter stehen zunehmend vor der Aufgabe, Lernangebote digital zu gestalten. Wer dabei Barrierefreiheit systematisch mitdenkt, schafft einen Mehrwert für alle Lernenden, erreicht neue Zielgruppen und richtet sich zukunftssicher aus.
Das SHUFFLE-Reifegradmodell: Orientierung und Praxiswerkzeug
Das im Forschungsprojekt SHUFFLE entwickelte Reifegradmodell ermöglicht Bildungseinrichtungen eine strukturierte Analyse des aktuellen Stands ihrer digitalen Barrierefreiheit. Gefördert durch die Stiftung Innovation in der Hochschullehre, wird das Projekt von vier Hochschulen getragen. Es zeigt sich dadurch auf einen Blick, wo eine Organisation steht und welche Schritte ggf. notwendig sind. Beeinträchtigungen werden dabei weit gefasst, seien sie durch Erkrankungen oder auch persönliche Hintergründe bedingt.
Das visualisierte Reifegradmodell (Quelle: shuffle-projekt.de).
Vier Dimensionen der Barrierefreiheit
Das SHUFFLE-Reifegradmodell gliedert sich in vier große Dimensionen – jeweils ein zentrales Handlungsfeld einer Hochschule:
- Struktur
- Strategie
- Beratung und Support
- Lehren und Lernen
Jede Dimension umfasst mehrere Handlungsfelder (insgesamt 19 über alle Dimensionen). Diese 19 Bereiche decken die zentralen Stellen ab, wo digitale Barrierefreiheit eine Rolle spielt.
Jedes Handlungsfeld wird durch eine zentrale Frage bewertet und in eine von fünf Stufen (0–4: Newcomer bis Best Practice) eingeordnet. So entsteht durch alle 19 Handlungsfelder ein klarer Ist-Stand der digitalen Barrierefreiheit.
Die dafür benötigte kostenlose Excel-Datei (mit Anleitung, Einleitung und Good-Practice-Tipps) steht auf der Website des Projektes als Paket zum Download bereit.
Die Stufen des SHUFFLE-Reifegradmodells (Quelle: shuffle-projekt.de).
Anwendung in der Weiter- und Erwachsenenbildung
Auch wenn das Angebot nicht explizit für andere Weiterbildungseinrichtungen beworben wird, können die Dimensionen des Modells ebenfalls auf die Erwachsenen- und Weiterbildung angewendet werden. Das SHUFFLE-Reifegradmodell kann hier helfen, systematisch die eigene digitale Barrierefreiheit festzustellen – etwa bei Volkshochschulen oder anderen Weiterbildungseinrichtungen. Die Dokumentation und Materialien sind umfangreich, liefern im Gegenzug aber detaillierte Ergebnisse und führen systematisch durch das Modell.
Fazit
Das SHUFFLE-Reifegradmodell bietet für die Überprüfung der Barrierefreiheit in digitalen Umgebungen nicht nur ein detailliertes und durchdachtes Modell, sondern ein konkretes Werkzeug. Durch die strukturierte Dokumentation und das Anwendungstool in Excel können neben Hochschulen auch andere Weiterbildungsstätten die Möglichkeit ergreifen, ihren Ist-Stand systematisch zu analysieren, konkrete Handlungsempfehlungen umzusetzen und die digitale Barrierefreiheit nachhaltig auszubauen.
Weitere Informationen zum Projekt und das Reifegradmodell als Downloadpaket finden Sie unter: SHUFFLE-Reifegradmodell.
"Digitale Barrierefreiheit mit SHUFFLE messen" von Chris Nowacki für wb-web (2026), CC BY-SA 4.0 .