Handlungsanleitung

Lernziele richtig definieren

Die Lernziele sind meist nicht identisch mit den Lerninhalten. Aus der Vermittlung von Wissen resultiert z. B. noch keine Veränderung der Einstellungen oder Verhaltensweisen. Viele Ziele der Bildungseinrichtungen sind sehr anspruchsvoll, aber so vage, dass unklar bleibt, wie sie verwirklicht werden sollen, z. B. „Umweltbewusstsein“, „Empathie“, „Konfliktmanagement“, „Kritische Urteilsfähigkeit“ usw. Es ist deshalb zur Selbstvergewisserung der Lehrenden, aber auch zur Orientierung der Teilnehmenden hilfreich, sich die unterschiedlichen Lernzielebenen und Lernzielprioritäten bewusst zu machen.

Theoretisch lassen sich drei Lernzielbereiche unterscheiden:

  1. 1. kognitive Lernziele,
  2. 2. emotional-motivationale Lernziele,
  3. 3. Handlungskompetenzen.

Die kognitiven Lernziele lassen sich nach ihrer Komplexität wie folgt stufen:

  • Faktenwissen (Begriffe, Fakten, Daten u.a.),
  • Methodenwissen,
  • Verständnis (es ist ein Unterschied, ob ein Begriff definiert werden kann oder ob er verstanden wurde, d.h. mit Bedeutung/Sinn versehen wird),
  • Transfer (die Fähigkeit, allgemeine Begriffe/Gesetze/Theorien auf konkrete Fälle/Praxis zu übertragen),
  • Analyse (die Fähigkeit, komplexe Texte/Situationen/Aufgaben/Theorien in einzelne Faktoren/Dimensionen zu zerlegen),
  • Synthese (die Fähigkeit, unterschiedliches Wissen, verschiedene Perspektiven zur Lösung von Aufgaben und zur Meinungsbildung miteinander zu verbinden),
  • Wertesystem (die Fähigkeit, Werte und Ziele der persönlichen Lebensführung und der gesellschaftlichen Entwicklung zu begründen).

Emotional-motivationale Ziele lassen sich nach ihrer Intensität gliedern:

  • Aufmerksamkeit (die Bereitschaft, etwas wahrzunehmen),
  • Interesse (die Bereitschaft, sich längerfristig für ein Thema/ein Ziel zu interessieren),
  • Engagement (die Bereitschaft, auch Nachteile für die eigene Überzeugung in Kauf zu nehmen),
  • Wertgefühl (die Identifikation  mit einer Zielsetzung, Glaubenssätze, Handlungsorientierungen).

Handlungskompetenzen lassen sich nach ihrer Komplexität stufen, z.B.:

  • Skills (Beherrschung von Techniken, Routinen),
  • Qualifikationen (Fähigkeit, alltagspraktische und berufliche Aufgaben zu lösen),
  • Schlüsselqualifikationen  (polyvalente, d.h. vielseitig verwendbare Fähigkeiten, Wissen zu erwerben und zu interpretieren),
  • Kompetenzen (lebensgeschichtlich erworbene personale, soziale, methodische Bewältigungsstrategien, Handlungsautonomie).

Viele Pädagoginnen und Pädagogen vergessen gelegentlich, dass die Lernziele, die sie formulieren, eigentlich nur ihre Lehrziele sind, die keineswegs immer deckungsgleich mit den Lern- und Teilnahmezielen der Teilnehmenden sind.

Bei der Formulierung von Lernzielen sollte darauf geachtet werden, dass dies nicht passiert.



Quelle

Siebert, H. (2010). Methoden des Lehrens und Lernens (4. Aufl.). Bielefeld: W. Bertelsmann.


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