Susanne Witt Blog

Zu alt für das Internet?

Alte Hände am Laptop

Alte Hände am Laptop (Bild: stevepb / pixabay.com; CC0)

Digitale Medien und die Generation 50+, das sind zwei mit gemeinsamem Entwicklungspotenzial. In den kommenden zehn Jahren gehen die geburtenstarken Jahrgänge in Rente. Viele von ihnen arbeiten bereits heute mit digitalen Medien und Computern. Doch sie nutzen die verschiedenen Endgeräte anders als jüngere, nachfolgende Generationen. Auch die Art der Medien, die genutzt wird, ändert sich – teilweise – rasant. Aber es gibt auch vielfältige Barrieren, die es zu überwinden gilt.

Entwicklung der Mediennutzung

Laut der Marktforschungsstudie des Bundesverbands Digitale Wirtschaft steigt der Anteil der Mediennutzung der 50- bis 69-jährige stetig. So gaben 22 Prozent an, immer online zu sein, und 63 Prozent gaben an regelmäßig im Internet unterwegs zu sein. Dabei gibt es bezüglich des Geschlechts über alle Altersgruppen hinweg keinen Unterschied. Während in diesem Zeitraum die Mediennutzung bei Vollzeitbeschäftigten leicht zurückging, stieg sie bei Rentner um sechs Prozent auf 17 Prozent. Die am häufigsten genutzten Medien der Altersgruppe 55 bis 69 Jahre sind der Fernseher, der Laptop bzw. der Desktop-PC sowie das Smartphone. Auch Tageszeitungen sind in dieser Altersgruppe „noch“ sehr beliebt im Vergleich zu jüngeren Altersgruppen.

Insgesamt zeigt die ARD-ZDF-Onlinestudie einen starken prozentualen Anstieg der Nutzung bei den älteren Teilnehmern. Dieser Trend wird sich mit dem Renteneintritt der heute 50- bis 59-jährigen, die jetzt schon beruflich wie privat mit digitalen Medien arbeiten, fortsetzen.

Chart zur Entwicklung der Mediennutzung nach Altersgruppe

Internetnutzer in Deutschland 1997 bis 2018 (eigene Darstellung, Quelle: ARD-ZDF-Onlinestudie)

Digitale Medien für Senioren

Spezielle Medien für ältere Menschen suchte man lange Zeit vergebens. Doch aus den spärlichen Nischenangeboten entwickelte sich ein Markt, der zukünftig hinsichtlich der geburtenstarken Jahrgänge und der gestiegenen Lebenserwartung viel Potenzial in sich birgt. Gerade für ältere Anwender können digitale Medien hilfreich sein. Die Anwendungen ermöglichen ein selbstbestimmtes Leben trotz körperlicher Einschränkungen, beispielsweise beim Online-Einkauf.

Dabei sind die Anwendungsbereiche vielfältig:

  • Vernetzung und Kontakt zu Familie, Freunden und Dienstleistern wie zum Beispiel Ärzte, Pflegeeinrichtungen oder Online-Shops,
  • Online-Banking,
  • Gesellschaftliche Teilhabe an öffentlichen Diskursen,
  • Kommunikation per E-Mail oder Formular mit öffentlichen Einrichtungen wie Behörden,
  • Einholen von Informationen zum Beispiel zu Gesundheitsthemen oder Verbraucherinformationen,
  • Teilnahme an Weiterbildungsangeboten,
  • Längere Selbstständigkeit in einem Smart House,
  • Erhalt der Mobilität im Alter.

Barrieren der Mediennutzung

„Bloß nichts falsch machen!“ lautet eine Barriere von Senioren nach der Studie „Nutzung und dem Nutzen des Internets im Alter“. Tatsächlich haben viele der 20 Millionen im Alter 60+ noch nie im Internet eingekauft oder Online-Banking gemacht. Ein Grund ist, dass die Risikobereitschaft mit zunehmendem Alter sinkt. Doch auch wenn sich viele Senioren in dem Internet befinden, mangelt es noch an passenden Angeboten und Beratung für diese Zielgruppe.

Barbara Keck von der Bundesarbeitsgemeinschaft Senioren-Organisationen e.V. (BAGSO) fordert ein Curriculum, um Ältere an das Internet heranzuführen, um anschließend neuen Entwicklungen zu folgen.

Fehlende Infrastrukturen

Eine weitere Barriere ist die fehlende Infrastruktur beispielsweise in Seniorenresidenzen. Smartphones und Tablets sind Mangelware in Seniorenresidenzen. Ein individueller Internetzugang im eigenen Zimmer ist selten. Teilweise werden an zentralen Stellen Gemeinschaftsrechner mit Internetzugang aufgestellt. Dies bedeutet aber auch eine zeitliche Einschränkung der Selbstbestimmung des Nutzers sowie eine mangelnde Privatsphäre im Gemeinschaftsraum bei der Online-Kommunikation. Der eigene Anschluss ist ein Garant für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben außerhalb des Altenheims, beispielsweise am Leben der Familie und ein Stück Selbstbestimmung. Mit einem W-LAN-Anschluss wäre es einfach, Dienste wie Skype oder WhatsApp mit ausreichender Privatsphäre im selbstbestimmten zeitlichen Umfang im eigenen Zimmer zu nutzen. Der flächendeckende Ausbau individueller Internetzugänge wird unausweichlich sein, weil die nachfolgenden Jahrgänge der Bewohner von Seniorenresidenzen gewohnt sein werden, im Internet einzukaufen, zu kommunizieren und sich zu informieren, und diesen Service erwarten. Auf diese Freiheit werden sie – auch im hohen Alter – kaum verzichten.

 

Quellen:

Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. (2018). Digitale Nutzung in Deutschland 2018.

Fron, C. (2018). Für ältere Menschen fehlen digitale Angebote.

Schiller, J. (2016). Warum Internet für Senioren wichtig ist.