Angelika Gundermann News

MILLA: Initiative für eine "Weiterbildungswende"

Eine neue Initiative der CDU/CSU schlägt aktuell hohe Wellen in Kreisen der Weiterbildung: Das Kürzel MILLA steht für „Modulares Interaktives Lebensbegleitendes Lernen für Alle“ und geht als Hashtag in den sozialen Medien viral. Erfunden hat den Begriff der Arbeitskreis Zukunft der Arbeit in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Vorgestellt wurde das Konzept unter dem Titel „Die Weiterbildungswende“ am 5. November 2018 auf der Bundesvorstandsklausur der CDU in Berlin.

Das Konzept sieht die Digitalisierung der Arbeitswelt und die damit verbundenen Entwicklungen als Anstoßpunkte für die Initiative. „Die Horrormeldungen über insgesamt wegfallende Arbeitsplätze sind nicht sehr wahrscheinlich, aber sicher ist: in Zukunft ändern sich Tätigkeiten fundamental“, heißt es in dem Dokument. Als Konsequenz gelte, so heißt es weiter: „Zwei Drittel der Arbeitnehmer müssen ihre Kompetenzen fortdauernd anpassen, um auch künftig auf dem Arbeitsmarkt einsetzbar zu sein.“ Problem dabei ist laut MILLA-Initiatoren eine „quantitative und qualitative Weiterbildungslücke“. Zu wenige Menschen bilden sich weiter, die entscheidenden Kompetenzen werden nicht vermittelt. Bei den Kompetenzen sehen die AutorInnen Digitalkompetenzen, Sozialkompetenzen und Selbst-/Gesundheitsmanagement als erforderlich an.

Auf diese Bedarfe sei das deutsche Weiterbildungssystem nicht ausgerichtet, heißt es weiter. Der Markt sei für die potenziellen Teilnehmenden zu unübersichtlich, nicht zentral, nicht individuell; es fehle Erfolgsmessung, alles ist analog, regional schwach vernetzt und es bestünden rechtliche Hürden. Hier soll MILLA eine „Weiterbildungswende“ bringen: in Form eines neuen Online-Angebots, durch Koordination und Empfehlung von Offline-Angeboten. Zudem soll MILLA Kompetenzen erfassen und als Berufsnetzwerk funktionieren. Wer an einer Weiterbildung erfolgreich teilnimmt, erhält eine Bescheinigung und die Aussicht auf eine Prämie. Kompetenzpunkte sollen am Berufsmarkt einsetzbar sein.  Alle Angebote sollen  staatlich geprüft werden. Die Macher des Entwurfs rechnen mit Kosten von ein bis drei Milliarden Euro im Jahr.

Die komplette Präsentation zu MILLA – „Modulares Interaktives Lebensbegleitendes Lernen für Alle“ finden Sie hier.


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