Handlungsanleitung

Systemisches Konsensieren: Entscheidungen in der Gruppe treffen

Das Systemische Konsensieren ist eine Methode, um Entscheidungen in einer Gruppe herbeizuführen. Es handelt sich hier um mehr als eine Abstimmung, die auf Mehrheiten basiert. Es geht vielmehr darum, eine Lösung zu finden, für die in der Gruppe möglichst wenig Widerstand besteht. 

Ein Beispiel für die Anwendung dieser Methode findet sich hier: 

Ablauf

Bestimmen der Fragestellung für das Problem, das aufgetaucht ist

Eine Gruppe möchte eine Entscheidung treffen, die von allen Beteiligten getragen wird. Sie entwickelt eine Fragestellung, die nicht mit Ja oder Nein zu beantworten ist. Es kann aber auch sein, dass die Frage bereits im Raum steht und nur formuliert werden muss.

Kreativphase: Sammeln von Lösungsvorschlägen, zum Beispiel als Brainstorming

In der zweiten Phase werden Lösungsvorschläge gesammelt, wobei nach dem Prinzip des Systemischen Konsensierens (SK-Prinzip) auf Kreativität und Vielfalt geachtet wird. Alle Ideen und Wünsche dürfen vorgebracht werden und stehen gleichberechtigt nebeneinander. Die Lösungsvorschläge werden in dieser Phase nicht kommentiert und diskutiert.

Bewertungsphase

In der Bewertungsphase wird jeder Lösungsvorschlag von jedem Gruppenmitglied mit sogenannten „Widerstandspunkten“ (W-Punkten) bewertet. Null Punkte bedeutet dabei „kein Widerstand“ bzw. „Diese Lösung kann ich mittragen“. Die höchste zu vergebende Punktezahl ist zehn und bedeutet „starker Widerstand“ bzw. „Ich lehne diesen Vorschlag entschieden ab“. Die Bewertung wird auf einer Matrix notiert.

Auswertung

Abschließend werden die von den Teilnehmenden vergebenen Punkte für jeden Lösungsvorschlag zusammengerechnet. Die Lösung mit der geringsten Punktzahl erfährt in der Gruppe den geringsten Widerstand und ist einem Konsens deshalb am nächsten.

In der Auswertung kann die Bewertung der einzelnen Teilnehmenden nochmals besprochen werden. Hat ein Teilnehmer bei der Lösung mit dem geringsten Widerstand einen hohen Wert, zum Beispiel fünf oder größer fünf, wäre es sinnvoll das zu thematisieren. Man kann fragen, was der Teilnehmer braucht, damit sein Widerstand geringer wird. Oftmals finden sich hier Lösungen, manchmal reicht der Person aber bereits, dass sein Widerstand wahrgenommen wird.

Auch wenn zwei Lösungen annähernd niedrige Ergebnisse haben, lohnt sich ein genauer Blick. Vielleicht ist eine der Lösungen von außen aufgedrückt und die andere in der Gruppe entstanden. Dann könnte man diese beiden Lösungen nochmals konsensieren.

Das Verfahren des Systemischen Konsensierens kann für jede Entscheidungsfindung angewendet werden, wo mehrere Optionen zur Auswahl stehen. Das SK-Prinzip hilft, das Konfliktpotenzial bei kontroversen Entscheidungen zu minimieren. Es führt zu mehr Zufriedenheit als eine Abstimmung.  

Lesen Sie dazu auf wb-web.de auch den Erfahrungsbericht „Die Zufriedenheit mit einer Entscheidung steht im Vordergrund des systemischen Konsensierens" .


Quellen

Paulus, G., Schrotta, S., & Visotschnig, E. (2013). Systemisches KONSENSIEREN: Der Schlüssel zum gemeinsamen Erfolg. Holzkirchen: Danke.

Partizipation & Nachhaltige Entwicklung in Europa. www.partizipation.at/systemisches-konsensieren.html


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