Erfahrungsbericht

Wie ich Erwachsenenbildnerin wurde

Das Bild zeigt eine Blume, deren Blätter aus dem Wort "Learning" bestehen.

Bild: geralt / pixabay.com, CC0 Public Domain

Schönheitskönigin, Ärztin, Schriftstellerin – Entdeckerin, Piratin, Astronautin – hatten Sie auch einen frühen Berufswunsch? Ich schon, zunächst schien mir Pilotin erstrebenswert. Später dachte ich an Lehrerin. Heute blicke ich auf 30 Jahre Erwachsenenbildung zurück, in denen ich viele „Passagiere“ dabei unterstützt habe, ihre Ziele „anzufliegen“.

Mein Berufsweg

„Herzlichen Glückwunsch – Frau B., „und wohin geht es jetzt?“

Das hätte ich auch gerne gewusst!

Ich, die frisch gebackene Gymnasiallehrerin, Fächerkombination Deutsch und Englisch, hochschwanger, hatte gerade ein wenig wohlklingendes Wort gelernt:

„Einstellungstopp”. Heute eine Normalität, aber damals …

Wir schreiben das Jahr 1983 und ich habe die Ehre, eine der ersten Absolventinnen zu sein, die nicht automatisch nach dem Examen in den Schuldienst übernommen wird.

Dabei macht mir das Unterrichten Spaß!

Ist es doch die täglich neue Auseinandersetzung mit Sprache in all ihrer Vielfalt: als Lehrinhalt und als Medium:

  • Wissenschaftssprache versus Belletristik,
  • Informationsweitergabe versus Ausdruck von Gefühlen und Beziehungen,
  • direkte Kommunikation versus indirekte.

 

Es ist genau mein Ding!

„Wenn Sie noch keine konkreten Pläne haben, Frau B., dann rufen Sie doch einmal bei der örtlichen Volkshochschule an. Und bestellen Sie einen schönen Gruß von mir.“ Durch meine Gedanken höre ich weit weg die Stimme eines Kollegen. Abwesend sage ich: „Ja, gerne“.

Und tatsächlich, ich rufe an, spreche mit einer netten Dame, einer hauptamtlichen pädagogischen Mitarbeiterin. Noch kann ich nicht ahnen, dass sie einige Jahre später eine meiner Kolleginnen sein wird. Jetzt vereinbart sie gleich einen Termin mit mir – eigentlich ja mit uns. Im Schnelldurchgang erhalte ich eine Einführung in Sachen VHS. Lehren für und Lernen mit Erwachsenen? Dafür bin ich doch gar nicht ausgebildet. Ob ich das überhaupt kann?

„Was“– so frage ich schüchtern „Was ist denn genau der Unterschied zwischen Schule und Erwachsenenbildung?“ Da holt Frau S. weit mit dem Arm aus, deutet auf die prall gefüllte Bücherwand hinter sich und sagt: „Das steht da.“

„Ach so.“ – Eine intelligente Antwort fällt mir nicht ein.

Immerhin ist Grundlegendes klar geworden. „Unterrichten“ heißt jetzt also, „Kurse leiten“. Lehrwerke sind nicht vorgeschrieben, da kann ich kreativ werden. Meine Schüler, die Erwachsenen, haben wenig Zeit. Abends sind sie müde. Sie wollen schnell lernen, unbedingt stressfrei und in angenehmer Atmosphäre. Sonst bleiben sie vom Kursgeschehen weg oder melden sich erst gar nicht an. Für Lehrende gilt dann: „Keine Teilnehmenden – kein Kurs – kein Geld.“

Mit den besten Wünschen und einem Veranstaltungsbogen werde ich entlassen.

Innerhalb einer Woche soll ich Kursthemen benennen. Und der Kursbeginn müsse im September sein – geht das?

Das geht schon (Hand auf den Bauch!). Unsere Tochter wird im August erwartet.

Mein Angebotsspektrum sieht dann so aus: Englisch für Anfänger, für Fortgeschrittene, für Grammatik-Fans, für Plaudertaschen, für Kaufleute …

Und dann sind immer noch Spalten frei. Also ergänze ich „Rhetorik“ und „Gesprächsführung“ – nicht ahnend, dass das die großen Themen der kommenden Jahre werden. Friedemann Schulz von Thuns „Miteinander Reden“ erscheint 1989. Seine Theorie vom Kommunikationsquadrat ist mittlerweile – im Gegensatz zu mir – in den Schulen gelandet.

Unsere Tochter kommt Mitte August zur Welt, bildet schon sehr bald ein eingespieltes Team mit ihrem großen Bruder und dem Vater – abendliche Ins-Bett-Geh-Routine findet mutterlos statt.

Währenddessen unternehme ich hoffnungsfroh und engagiert meine ersten Gehversuche in der Erwachsenenbildung.

Methodisch und fachlich bilde ich mich nebenbei weiter zur Weiterbildnerin. Wie gerne hätte ich damals schon die wb-web-Beiträge zur Verfügung gehabt!

Wir sind uns treu geblieben, die Erwachsenbildung und ich – in unterschiedlichsten Organisationen und Positionen – als Trainerin, Coach, auch als langjährige hauptamtliche pädagogische VHS-Mitarbeiterin – als „Bildungspilotin“.

 

CC BY-SA 3.0 DE by Eva Bruno für wb-web in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Gütersloh.


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