Steuern für Freiberufler und Selbstständige

Welche Steuern müssen Selbstständige zahlen? Und welche Termine sind wichtig?

Das Bild zeigt das Einkommenssteuerformular.

Bild: Einkommenssteuererklärung falco / pixabay.com, CC0 Public Domain

Während bei abhängig Beschäftigten (Angestellten) der Arbeitgeber mit der Einkommenszahlung Steuern und Sozialabgaben abführt, muss der Selbstständige selber Steuern abführen. Der nachfolgende Text beschreibt ausschließlich die Art der Abgabe, die ein Selbstständiger kennen muss. Er dient aber nicht als Steuerberatung. Für eine Steuerberatung wenden Sie sich bitte an einen Steuerberater. Dessen Honorar können Sie übrigens absetzen, soviel sei verraten.


Einkommenssteuer

Selbstständige unterliegen, wie Arbeitnehmer, der Einkommenssteuerpflicht. Die Einkommenssteuer ist gekoppelt an die Höhe des Einkommens. Das Einkommen entspricht dem Gewinn, der verbleibt, wenn man die Kosten vom Umsatz abzieht.

Desto höher der Gewinn, desto höher fällt der Steuertarif aus (progressiver Tarif) aus. Bis zu einem Einkommen von 8.652 Euro bleibt das Einkommen für ein Kalenderjahr steuerfrei (2016). Ab 8.653 Euro steigt der Steuersatz von 14 auf bis zu 45 Prozent an.

§ 32a Einkommenssteuertarif  
Zu versteuerndes Einkommen Einkommenssteuertarif
Bis 8.652 Euro (Grundfreibetrag) 0 Prozent
Von 8.653 Euro bis 13.669 Euro 14 Prozent
Von 13.670 Euro bis 53.665 Euro Individuell ansteigend von 15 bis 41 Prozent
Von 53.666 Euro bis 254.446 Euro 42 Prozent
Ab 254.447 Euro 45 Prozent

 

Beispiel:

Das Einkommen beträgt 8.652 Euro. Dieses ist steuerfrei.

Beträgt das Einkommen 8.655 Euro, bleiben 8.652 Euro steuerfrei und der 8.653ste Euro wird mit einem Steuersatz von 14 Prozent belastet.


Umsatzsteuer

Die Umsatzsteuer oder auch Mehrwertsteuer wird auf fast alle Waren und Dienstleistungen in Deutschland erhoben. Der Regelsatz für inländische Umsätze liegt in Deutschland bei 19 Prozent, der ermäßigte Satz für Bücher und die Mehrzahl der Lebensmittel bei 7 Prozent.

Bei der Rechnungserstellung berechnet der Freiberufler für seinen Leistungen zusätzliche 19 Prozent auf den Rechnungsbeitrag. Diesen Betrag führt er als ausgewiesene Umsatzsteuer an das Finanzamt ab.

Bei der Abführung unterscheidet man die Soll- und die Ist-Versteuerung. Bei der Soll-Versteuerung muss der Freiberufler mit der anstehenden Umsatzsteuer-Voranmeldung die Umsatzsteuer für die aktuell erstellten Rechnungen abführen – auch wenn der Kunde erst später zahlt. Bei der Ist-Versteuerung zahlt der Freiberufler die Umsatzsteuer, wenn der Rechnungsbetrag bezahlt wurde. Hierdurch wird die Liquidität des Freiberuflers geschont.

 

Vorsteuer

Die Vorsteuer errechnet sich aus der gezahlten Umsatzsteuer, die der Freiberufler im Rahmen seiner Selbstständigkeit für Ausgaben getätigt hat.

Beispiel:

Der Freiberufler kauft einen neuen Drucker für sein Büro. Diesen benötigt er zur Erstellung von Unterrichtsmaterial. Die Rechnung beinhaltet den Nettopreis in Höhe von 50 Euro zzgl. 9,50 Euro Umsatzsteuer. Diese 9,50 Euro kann er mit der an das Finanzamt abzuführenden Umsatzsteuer aus Einnahmen verrechnen. Wenn er einem Kunden eine Rechnung ebenfalls in Höhe von 40 Euro zzgl. 7,60 Euro gestellt hat, zahlt er die Differenz in Höhe von 1,90 Euro Umsatzsteuer an das Finanzamt.

 

Steuervorauszahlung

Nach der Gewerbeanmeldung erhält der Freiberufler einen Fragebogen vom Finanzamt. Hier soll er sein prognostiziertes Einkommen angeben.

Entsprechend der Angaben zahlt der Freiberufler unterjährig Steuern in Form von Abschlagszahlungen an das Finanzamt. Damit umgeht der Freiberufler die Gefahr einer zu hohen Nachzahlung am Jahresende.

Die geschätzte Steuervorauszahlung richtet sich an vorangegangene Steuerbescheide oder an erwartete Einnahmen. Eine Vorauszahlung wird ab einer Höhe von mindestens 400 Euro im Kalenderjahr und einer Zahlung für einen Vorauszahlungstermin von mindestens 100 Euro festgesetzt. 

Das Finanzamt schickt unter Vorbehalt der Nachprüfung einen Bescheid zur Vorauszahlung. Die Höhe kann bei Bedarf angepasst werden. Die tatsächliche Steuerschuld wird mit der jährlichen Steuererklärung ermittelt. Zuviel gezahlte Steuern werden erstattet. Nachzahlungen sind innerhalb eines Monats nach Erhalt des Steuerbescheides zu leisten.

Folgende Stichtage sind für die Einkommensteuer quartalsweise zu beachten:

  • 10. März
  • 10. Juni
  • 10. September
  • 10. Dezember


Umsatzsteuer-Voranmeldung

Der Freiberufler hat eine Umsatzsteuer-Voranmeldung für das Finanzamt durchzuführen. Diese ist immer am 10. nach Ablauf des festgelegten Voranmeldezeitraum vorzunehmen. Der Rhythmus ist abhängig von der Höhe der Steuerschuld.

Höhe der Steuerschuld im vorangegangenen Kalenderjahr Voranmeldezeitraum
Über 7.500 Euro Monatlich
Zwischen 1.000 und 7.500 Euro Quartalsweise
Unter 1.000 Euro Einmal im Jahr

 

Mit der Jahresabrechnung prüft das Finanzamt, wie hoch die Steuerschuld ist und ob der korrekte Umsatzsteuerbetrag abgeführt wurde. Entsprechend müssen Freiberufler mit einer Nachzahlung oder einer Rückerstattung rechnen.

 

Steuererklärung

Für die Steuererklärung muss der Freiberufler seinen Gewinn ermitteln. Hierzu gibt es verschiedenen Methoden. Die Einnahme-Überschuss-Rechnung ist eine einfache Variante, die von allen Unternehmen, die nicht im Handelsregister eingetragen sind, genutzt werden kann.

Nach Art der Einnahme und Ausgabe, zum Beispiel Betriebskosten oder Firmenwagen,  werden in einem Journal die Beträge summiert. Für jeden Monat wird ein Journal erstellt. Die Werte der einzelnen Kategorien sind auf den Vordruck des Finanzamtes zu übertragen und der Steuererklärung beigefügt, wenn der Gewinn 17.500 Euro übersteigt. Die Beträge werden als Nettobeträge ausgewiesen, ohne Umsatz- bzw. Vorsteuer.


Zum Schluss noch ein paar Steuertipps

Wie kann man als Freiberufler Steuern sparen? Man schmälert seinen Gewinn. Dies macht man, indem man alle mit der freiberuflichen Tätigkeit verbundenen Ausgaben abzieht. Hierzu zählen die Miete für das Büro, Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen oder Beiträge zur privaten Altersversorgung, und noch vieles mehr. Welche Ausgaben im einzelnen wie und in welcher Höhe angerechnet werden können, sagt Ihnen ein Steuerberater.


 Diese Steuern zahlt der Freiberufler nicht:

Gewerbesteuer

Die Gewerbesteuer gilt für alle Personen, die als Unternehmer ein Gewerbe betreiben, egal ob es sich um Handel, Handwerk, Industrie oder Dienstleistungen handelt. Ausgenommen sind von der Gewerbesteuer Freiberufler.

Der Freiberufler ist in § 1 des Partnerschaftsgesellschaftsgesetzes Abs. 2 definiert:

„Die Freien Berufe haben im allgemeinen auf der Grundlage besonderer beruflicher Qualifikation oder schöpferischer Begabung die persönliche, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höherer Art im Interesse der Auftraggeber und der Allgemeinheit zum Inhalt. Ausübung eines Freien Berufs im Sinne dieses Gesetzes ist die selbständige Berufstätigkeit der … Journalisten, … und ähnlicher Berufe sowie der Wissenschaftler, Künstler, Schriftsteller, Lehrer und Erzieher.“

Freiberufler unterscheiden sich u.a.  in folglich in vom Gewerbetreibenden dadurch, dass er

  • kein Gewerbe anmeldet,
  • keine Gewerbesteuer zahlt,
  • keine doppelte Buchführung macht, sondern eine einfache Einnahme-Überschuss-Rechnung.

Freiberufler, die auch Einkünfte aus einer gewerblichen Tätigkeit erzielen, sollten sich fachkundige Hilfe bei Steuerberatern oder dem Finanzamt holen, um eine Abgrenzung der Tätigkeiten zu definieren und mögliche Freibeträge zu erfragen.

 

Körperschaftssteuer

Die Körperschaftssteuer gilt für Kapitalgesellschaften, wie GmbH, UG, Ltd. oder AG. Der Freiberufler stellt keine Kapitalgesellschaft dar und zahlt entsprechend Einkommenssteuer.

  

TIPP :  Der Landesverband Schleswig-Holstein für Volkshochschulen veröffentlichte das   Merkblatt "DVV Honorarkraft"    mit Tipps und Erklärungen zum Thema Steuern und Sozialversicherung für Honorarkräfte.