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Was Multimedia kann – und was nicht

Vier gezeichnete Männchen sitzen auf einer Bank mit Laptops auf ihrem Schoß

Bild: algogenius/Flickr.com, CC BY 2.0

Macht der Einsatz von Multimedia-Unterricht automatisch besser? Können jüngere Menschen stets mit Multimedia umgehen? Und: ist Multimedia gar ein Muss? Hermann Funk, Professor für Methodik und Didaktik im Fach DaF/DaZ an der Universität Jena, widmete sich bei der 5. DaFWEBKON der Frage „Was kann Multimedia?“. Dieser Blogbeitrag thematisiert einige Aspekte des Vortrags. Die komplette Aufzeichnung kann auf der Website der DaFWEBKON angesehen werden.

 Die Rolle der Lehrkraft

Die Rolle der Lehrkraft stellt bei Funks Suche nach Antworten auf die Ausgangsfrage „Was kann Multimedia?“ einen wichtigen Aspekt dar. Er nimmt Bezug auf die Ergebnisse der Hattie-Studie, einer umfassenden Analyse von Metastudien zu Lernprozessen. Laut dieser Studie sind die Lehrerinnen und Lehrer der wichtigste Faktor für den Lernerfolg. Vereinfacht gesagt: Es ist wichtig, was die Lehrkraft macht – und nicht, ob und welche Medien sie dabei einsetzt.

Können Lehrende also von vornherein auf Multimediaeinsatz im Unterricht verzichten? Mitnichten. Allerdings müssen die Lehrkräfte auch über die notwendigen Kompetenzen dafür verfügen. 

Multimediakompetenzen von Lehrenden fördern

Um zu zeigen, welche Medienkompetenzen von Lehrenden in Sprachkursen erwartet werden, zeigt Funk einen Ausschnitt aus dem Europäischen Profilraster für Sprachlehrende (European Profiling Grid, EPG).

Das EPG ist ein Werkzeug zur Selbsteinschätzung von Lehrenden und beschreibt Qualifikationen und Kenntnisse in vier übergreifenden Kategorien (Qualifikation/Erfahrung, Zentrale Lehrkompetenzen, Übergreifende Kompetenzen und Professionalisierung) auf jeweils drei Stufen. Zu den übergreifenden Kompetenzen zählen auch die Medienkompetenzen,  die im EPG in einem interaktiven Profilasterdargestellt werden.

Mit Hilfe dieser kann-Beschreibungen sind Dozentinnen und Dozenten in der Lage, ihre eigene Kompetenz im Umgang mit digitalen Medien einzuschätzen und einer der drei Stufen zuzuordnen.

Die Stufe zwei entspreche dabei einem Stand wie vor 10 oder 15 Jahren, so Funk, während die dritte Stufe bereits sehr anspruchsvoll sei. Zur dritten Stufe gehört beispielsweise die Fähigkeit, Blended Learning-Angebote zu konzipieren, Kolleginnen und Kollegen anzuleiten und technische Probleme eigenständig zu beheben.

In der Lehrerausbildung werde die Medienkompetenz nicht ausreichend gefördert, so Funk:  „Wo sind die Ausbildungsgänge für Lehrkräfte in Deutschland und anderen Ländern, die ihren zukünftigen Lehrenden so etwas beibringen?“  

Multimedia nicht nur für Digital Natives

Funk widmet sich in seinem Vortrag auch dem Begriff der Digital Natives und deren Medienkompetenz. Es ist eine weit verbreitete Annahme, dass jüngere Dozentinnen und Dozenten automatisch wissen, wie man digitale Technologien bedient und gewinnbringend im Unterricht einsetzt.

Eine aktuelle Studie (Ingle/Moorhead 2016) zum Einsatz von iPads im Unterricht ist zu einem gegensätzlichen Ergebnis gekommen:

„Just like we made mistakes with assuming that millennial teachers would automatically know how to use technology we also made the mistake of assuming the kids would immediately know how to use the technology in an appropriate way. It became clear early on that the teachers weren’t the only ones who needed training.“

(Ingle, J. C. & Moorhead, T. (2016): What does research really say about iPads in the classroom? eschoolnews.com)

Es sei keine Altersfrage, so Funk, ob eine Person kompetent mit digitalen Medien umgehen könne: "Man muss das Lernen mit Medien lernen."  

Medienkompetenz gehört zu den Lernzielen

Kompetent mit Medien umgehen zu können umfasst nicht nur die Rezeption. Auch Medienkritik, landeskundliches Wissen über die Medienlandschaft eines Sprachraums und die Fähigkeit, Medien selbst gestalten zu können, fallen unter Medienkompetenz. Beim Sprachenlernen sieht Funk diese Kompetenzen als ein „kollaterales“, also parallel laufendes Lernziel.

Interaktion ist das oberste Ziel

„Schlechte Übungen bleiben schlechte Übungen, auch multimedial und digital“ – mit klaren Worten kritisiert Funk die mangelnde Kompetenzorientierung vieler digitaler Lernangebote.

Zuordnungsaufgaben, Drag & Drop und Lückentexte: es seien immer wieder die gleichen fünf Übungstypen zu finden, so Funk. Sie fungieren jedoch nicht als Übung, sondern als Test ohne Praxisbezug. Im echten Leben gibt es schließlich keine Lückentexte: "Was lernt man denn beim Ausfüllen von Lücken, außer das Ausfüllen von Lücken?"  Auch Apps zum Lernen von Vokabeln sieht der Professor kritisch, da diese häufig ohne Kontextbezug gelernt werden. Statt einzelne Wörter wie „Fleisch“ zu lernen, sei es sinnvoller, lebensnahe Phrasen wie „Ist da Schweinefleisch drin?“ zu trainieren.

Funks Fazit: Ein sinnvoller Medieneinsatz bringt die Lernenden zur Interaktion untereinander: „Interaktivität durch digitale Medien muss auch zur Interaktion der Menschen führen.“


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