Blog

Trend: „Künstliche Intelligenz“ in der Weiterbildung

Kopf und Hand eines menschlich aussehenden Roboters

„Liebe Trainerinnen und Trainer, freuen Sie sich, denn Sie bekommen bald eine neue Zielgruppe dazu. Sie dürfen Robotern etwas beibringen.“ Bei diesem Spruch zu Beginn eines Workshops „Lerntechnologien“ hält sich die Begeisterung der alteingesessenen Dozenten meist in Grenzen. Zu groß ist oft auch die Angst, irgendwann von einem Roboter ersetzt zu werden. Doch davon ist die Weiterbildung weit entfernt und hegt hierzu auch keine Pläne. Dennoch ergab eine Analyse des mmb Instituts für wb-web: Der Begriff Künstliche Intelligenz ist ein Trend in der Weiterbildungsszene.  Lutz Goertz vom mmb Institut erklärt, was dahinter steckt.

In den Diskussionen der Weiterbildungscommunity spielt das Thema Künstliche Intelligenz eine große Rolle. Allein 88mal ist in den Social Media in unserer Trendthemenanalyse für 2018 von „Intelligenz“ die Rede, meist im Zusammenhang mit „Künstlicher Intelligenz“. 

Das Thema „Künstliche Intelligenz“ ist gleich in dreierlei Hinsicht für Akteure in der Weiterbildung interessant:

  1. KI als Lerngegenstand
  2. KI als unterstützende Technologie beim Lernen und Lehren
  3. Verbesserung von KI durch Unterstützung von „Machine Learning“. 

KI als Lerngegenstand: Menschen für den Wandel im Berufsleben schulen

Viele Unternehmen werden in Zukunft Formen der Künstlichen Intelligenz für ihre Services einsetzen, z.B. zur Bearbeitung von Kundenanfragen, für das Vorschlagsmanagement bei Shopping-Portalen, zur Analyse großer Datenmengen, um die Qualität von Produkten zu prüfen oder Geschäftsprozesse zu optimieren. Dafür benötigen die Firmen und ihre Mitarbeitenden entsprechendes KI-Know-how.

Tatsächlich gibt es bereits einen Zertifikatslehrgang „KI Manager – Grundlagen Künstlicher Intelligenz und Anwendungspotentiale für Unternehmen“ vom IT-Verband BITKOM in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (vgl. Ilg 2018). Damit sollen Manager mit der für sie noch neuen Materie vertraut gemacht werden. Weitere Angebote betreffen die Qualifizierung von Spezialisten. Cap Gemini (Capgemini Karriere 2018) nennt als neue Berufsbilder u.a. AI-Berater, Data Engineers, Software-Architekten und Projektmanager.

Doch auch in der Erwachsenenbildung werden Veranstaltungen zum Thema KI angeboten: So behandeln beispielsweise verschiedene Volkshochschulen in Vorträgen das Thema aus philosophischer und ethischer Perspektive.

Da uns das Thema noch lange begleiten und viele Lebensbereiche betreffen wird, wäre es für Lehrende bestimmt lohnenswert, sich weiter in dieses Thema einzuarbeiten.

KI als Unterstützung in der Lehre: Konzentration auf ChatBots und Adaptives Lernen

In manchen Gebieten wie im Marketing und in der Prozessplanung hat KI bereits umfassend Einzug gehalten. In der Aus- und Weiterbildung hingegen „reicht der Hype noch nicht für konkrete Projekte“, so die Einschätzung des Weiterbildungsexperten Jochen Robes (vgl. Robes 2018).

Ulrich Schmid hat für einen Blogbeitrag der Bertelsmann Stiftung die Technologien systematisiert, in denen KI die Weiterbildung beeinflusst (Schmid 2018):

Kreise mit Beschriftung zu KI-basierten individualisierten Lernsettings

Komponenten KI-gestützter Lernsettings. (Bild: Schmid 2018, Copyright mmb Institut 2018)


Was wird hiervon in der Weiterbildung in welcher Weise umgesetzt?

Die Weiterbildungsbranche setzt zur Zeit auf das dialogorientierte Lernen. Sogenannte ChatBots (dialogorientierte Services) und Roboter wie „Pepper“ oder „Nao“ können durch ASR (Automatic Speech Recognition) und NLP (Natural Language Processing) Sprache erkennen und entsprechende Antworten geben. Dabei ist es weitgehend egal, wie die Lernenden ihre Fragen formulieren. „Alexa“ und „Siri“ sind hierfür gute Beispiele, wie Rechner Sprache verstehen können. Verstärkt wird der Eindruck eines natürlichen Dialogs durch Elemente der Paralingualen Kommunikation, indem Roboter den Blickkontakt mit Menschen suchen und ChatBots in ihre Sprache auch schon mal ein „Ähhm“ einflechten.

Diese Dienste sind nicht speziell für die Weiterbildung erstellt, sondern decken verschiedenste Funktionen im Alltagsleben ab. Doch auch die Produzenten von Lerntechnologien setzen verstärkt ChatBots ein. Diese Systeme helfen, größere Wissensbestände – beispielsweise Erläuterungstexte zur Bedienung einer Software – nach eigenen Bedarfen zu erschließen. Die Antworten der ChatBots basieren auf Wahrscheinlichkeiten, welche Antwort am besten zur Frage passt. Hiernach richtet sich die Trefferliste der Lerntexte aus. Wählt der Lernende einen anderen Treffer, „lernt“ das System und verändert die Wahrscheinlichkeit bei der nächsten Suche.  

Eine weitere Maßnahme, das Lernen mit dem Computer dem Lernen mit anderen Menschen anzugleichen, besteht in der Wahl vieler verschiedener Angebotsformen und Hardware (vgl. (Leukert et al. 2019 und Schmid 2018). Das Lernen ist ubiquitär und kann wahlweise auf PCs, Notebooks, Tablets, Smartphones und Wearables erfolgen. Durch Virtual Reality kann man in eine Lernwelt eintauchen. Durch diese sogenannte „Immersion“ wird das Lernen zur UX, zur „User Experience“. Der Mehrwert besteht in der Kombination der verschiedenen Interaktionsformate. Doch merke: Der bloße Einsatz von „Virtual Reality Learning“ bedeutet noch lange nicht, dass man mit Künstlicher Intelligenz lernt.

Durch die Erfassung von Daten, die beim Lernprozess generiert werden („Big Data“, „Learning Analytics“), lassen sich mithilfe von komplexen Algorithmen Lernbedarfe erkennen und individuelle Lernpfade erstellen. Auch diese maßgeschneiderten Vorschläge („Adaptive Learning“) sind Teil von KI. 

KI und Machine Learning: Noch viel zu tun, aber interessante Aufgabe

Voraussetzung für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Weiterbildung bedeutet zunächst einmal, die Lernsysteme schlauer zu machen. Vom „Deep Learning“, also der Erstellung von künstlichen neuronalen Netzen, die ähnlich wie das menschliche Gehirn funktionieren, sind wir in der Forschung noch weit entfernt. Realistischer sind Methoden des „Machine Learning“, bei denen der Rechner auf der Basis von früheren Erfahrungen und Impulsen von außen seine Funktionen optimiert. Zur Zeit sind hier immer noch Grundlagen zu schaffen, die dazu beitragen, dass ein Computer beispielsweise auf Bildern einen Chihuahua von einem Muffin unterscheiden kann (Buxmann und Schmidt, S.8).

Sicherlich sind für diese Aufgaben am ehesten Informatiker gefragt. Doch es kann nicht schaden, für die Vermittlung zwischen Mensch und Maschine auch Expertinnen und Experten mit pädagogischem Sachverstand zu Rate zu ziehen.  


Das könnte Sie auch interessieren

Trends: offener Zugang und Lernen mit Spaß 

- Blog

Trends: offener Zugang und Lernen mit Spaß 
Worüber diskutierten Weiterbildungsfachleute in den sozialen Medien im Jahr 2018? Eine Analyse des mmb Instituts für wb-web ergab, dass im Austausch zwischen den Bildungsakteurinnen und -akteuren vor allem das Lernerlebnis im Vordergrund steht. Virtual Reality Learning ist einer der Treiber hierfür. Doch auch der offene Zugang zu Bildungsressourcen sowie die Teilhabe aller Personengruppen an Bildung sind  zentrale Themen. 
Mehr

Arbeit 4.0 und lebenslanges Lernen

Das Bild zeigt das Gesicht einer Frau überdeckt von einer Computerplatine, im HIntergrund Stichworte aus dem Bereich Arbeit und Beruf

Im Zuge der Digitalisierung verändert sich unsere Arbeitswelt und  macht für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer neue Kompetenzen erforderlich: Zum einen müssen sie digitale Technologien beherrschen, zum anderen machen diese Technologien neue Strukturen in der Arbeitswelt nötig oder möglich. Team und Führung werden neu definiert, kollaborative Fähigkeiten und kommunikative Kompetenzen müssen entwickelt werden. Ein neues Aufgabenfeld für die in der Weiterbildung Tätigen, die aber auch selbst über ihre Rolle und ihre Aufgabe neu nachdenken müssen.

Zum Dossier