Angelika Gundermann Forschung quergelesen

Qualitätsmanagement in Bildungseinrichtungen: Am Ziel vorbei?

Wirkt Qualitätsmanagement in der Weiterbildung? Wie dies Weiterbildungseinrichtungen selbst einschätzen, hat Stefanie Hartz, Professorin an der TU Braunschweig, am Beispiel des "Modells der Lernerorientierten Qualitätstestierung" (LQW) untersucht. Dabei kam sie zu überraschenden Ergebnissen.

Schriftzug Quality

Einrichtungen der Erwachsenen- und Weiterbildung wenden Qualitätsmanagement-Instrumente zur Verbesserung ihres Angebots an. (Bild: geralt/pixabay.com., CC 0)

Einrichtungen der Weiterbildung arbeiten mit Qualitätsmanagement, so wie es in Industrie und Wirtschaft schon längst praktiziert wird. Leitbilder, Prozessverbesserung sowie Selbst- und Fremdevaluation sind hier die Stichworte; Maßnahmen, die den Arbeitsalltag und damit letztlich die wirtschaftlichen Ergebnisse verbessern sollen. Weiterbildungseinrichtungen sind ebenfalls daran interessiert, die Qualität ihrer Arbeit zu managen und wenden entsprechende Instrumente an.

Im System der Weiterbildung findet seit Mitte der 2000er Jahre das „Modell der Lernerorientierten Qualitätstestierung“ bundesweit Anwendung. Auf der Ebene der Organisation sorgen betriebswirtschaftliche Konzepte für Qualität. Eine Bildungseinrichtung stellt jedoch keine Produkte her, deren Qualität geprüft werden kann. Deshalb soll die Lernerorientierte Qualitätstestierung all das in den Blick nehmen, wovon die Lernenden in den Einrichtungen betroffen sind: Das sind natürlich die Kurse, Seminare oder sonstigen Veranstaltungen, aber auch Dinge wie Anmeldung oder Programmgestaltung.

Selbsteinschätzung erfragt

Wie schätzen nun Weiterbildungseinrichtungen selbst die Wirkung der LQW ein? Dieser Frage geht Stefanie Hartz in einem Beitrag in der Zeitschrift für Erziehungswissenschaften nach (Hartz, S. (2015): Wirksamkeitszuschreibungen von Weiterbildungseinrichtungen zur Lernerorientierten Qualitätstestierung. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft (2), 303–325). Hartz präsentiert die Ergebnisse einer Evaluationsstudie, die Informationen über die Akzeptanz und Wirkung von LQW im System der Weiterbildung liefern sollte. Bisher vorliegende Studien ergaben eine überwiegend positive Beurteilung zu LQW, allerdings handelte es sich dabei nicht um unabhängige Untersuchungen. Zudem sollte die aktuell vorgestellte Studie nicht nur die organisatorische, sondern auch die pädagogische Seite der Arbeit in Weiterbildungseinrichtungen beleuchten. Schließlich zielt LQW gerade darauf, diese beiden Aspekte beim Qualitätsmanagement zu berücksichtigen.

Gute und schlechte Nachricht

Die schlechte Nachricht zuerst: „Bezogen auf die Lehr-Lerninteraktion beschreiben 65,9 % der befragten Einrichtungen nur geringe bis gar keine Auswirkungen der Implementierung von LQW“ (Hartz, 2015, S. 315). Dies schreiben die befragten Einrichtungen mal den Lehrenden und mal den Lernenden zu, so Hartz. Die Lernerorientierte Qualitätstestierung geht also am Lerner und damit an ihrem erklärten Ziel vorbei.

Die gute Nachricht ist, dass die Studie im Bereich des organisationalen Handels andere Ergebnisse hatte: Geht es um Verbesserungen bei Arbeitsabläufen durch LQW, sehen die Einrichtungen durchaus eine positive Wirkung.

Stellen diese Ergebnisse die Anwendung von LQW generell infrage? Stefanie Hartz kommt zu dem Schluss, dass LQW ihre Berechtigung erhält, indem sie mit dem Begriff der Lernerorientierung in den Weiterbildungseinrichtungen „zunächst Akzeptanz für Qualitätsmanagement schaffe“. Auf der Ebene der Organisation und Verwaltung funktioniert sie deshalb. Auf der pädagogischen Ebene funktioniert LQW dann nicht mehr, weil „Qualität von Weiterbildung wesentlich in der Lehr-Lerninteraktion durch den Lehrenden und den Lernenden bestimmt“ wird, so Hartz weiter. 

Nachlesen

Hartz, S. (2015): Wirksamkeitszuschreibungen von Weiterbildungseinrichtungen zur Lernerorientierten Qualitätstestierung. In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft (2), 303–325.


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