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„Mia san mia“ oder interkulturell

Hamburger Speicherstadt als Umschlagplatz für Güter aus aller Welt

Hamburger Speicherstadt (Bild: Free-Photos / pixabay.com; CC0)

„Wir sind wir.“ Bayrische Selbstverständlichkeit und bayerisches Lebensgefühl – beides hat bei der Landtagswahl gelitten. Laut Edmund Stoiber leben zu viele Deutsche in Bayern. Das Ergebnis der Landtagswahl 2018 offenbart Risse in der „Mia san mia – Gesellschaft“. Etwas hat sich verändert und das lässt sich nicht mit der Integration von Flüchtlingen begründen. Die Migration, insbesondere „preußischer“ Arbeitskräfte, infiltriert unter dem Radar die blau-weiße Kultur im Freistaat, beispielsweise mit einer bundesweiten oder sogar einer europäischen Sichtweise. Benötigen deutsche Einwanderer in Bayern einen Kurs „Interkulturelle Bildung“, oder umgekehrt sollte ein Angebot zur Integration von Bayern in Deutschland den Austausch ermöglichen?

„Interkulturelle Bildung“ steht für Austausch zwischen Kulturen. Etwas „Fremdes“ kennen lernen, sich darauf einzulassen, Gemeinsamkeiten zu erkennen und Unterschiede herauszuarbeiten – all dies basiert auf Kommunikation. Ziele sind eine gegenseitige Wertschätzung, ein Perspektivwechsel und ein toleranter Umgang miteinander. Diversität wird dabei zur Bereicherung, der Austausch zum gegenseitigen Lernprozess und Erkenntnisgewinn.

Die Wertigkeit der Interkulturellen Bildung steigt in den Migrationsgesellschaften von heute. Desto mehr Vermischung durch Zuwanderung erfolgt, umso mehr muss Raum und Zeit für Austausch und Mediation ermöglicht werden. Dabei ist es vollkommen unerheblich, ob Preußen Bayern erobern oder Migranten in ein anderes Land flüchten. Interkulturelle Bildung ist ein wichtiger Bestandteil der Integrationsarbeit neben dem Spracherwerb und der Integration in den Arbeitsmarkt.

Wie kann in das Eis in der Anfangsstunde eines Kurses zur „Interkulturellen Bildung“ gebrochen werden? Ein Beispiel hierzu ist das Rollenspiel „Albatros“. Dieses entführt die Teilnehmenden in eine fremde Rollenspielwelt und konfrontiert sie dabei mit kulturellen Unterschieden. Ziel ist es, den Lernenden zu zeigen, wie schnell die eigene Wahrnehmung zu falschen Schlussfolgerungen und Einschätzungen führen kann und wie wichtig Interkulturelle Kompetenz im 21. Jahrhundert ist. Die Teilnehmenden spielen in der Simulation eine Gruppe von Managern, die für kurze Zeit in das Land „Albatros“ reist. Hierbei stoßen die Teilnehmenden beispielsweise auf eine andere kulturelle Stellung von Mann und Frau oder fremdländische Sitten und Gebräuche. Die gemeinsame Auswertung offenbart Fehleinschätzungen und falsche Schlüsse der Teilnehmenden. Eine ausführliche Handlungsanleitung sowie Rollenspielanleitung und  Auswertung finden Sie hier. 

Zurück zur Landtagswahl in Bayern – auch Interkulturelle Bildung hat ihre Grenzen. „Mia san mia“ – der Ausspruch steht für eine Identität und Grundfeste des bayerischen Wesens, an dem sich andere zu orientieren haben. Der Spruch beschreibt quasi den Kontrapunkt der Interkulturellen Bildung. Deren Grundvoraussetzung für einen ehrlichen Austausch sind Interesse und Offenheit wie auch der Wille, den eigenen Status quo in Frage zu stellen und zu überdenken.



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