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"Sprachen lernen" heißt vor allem Wörter lernen

Das Bild zeigt Hermann Funk.

Hermann Funk (Funk, CC BY SA)

In einer  Mini-Video Serie werden erfolgreiche Strategien und Tipps zum Wortschatztraining gegeben. Täglich erscheint ein neues Video.

Wenn Sie eine Sprache lernen, tun Sie gut daran, den Wörter der Sprache besonders viel Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn sie Sprachlernende betreuen, ist das der erste und wichtigste Tipp, den Sie ihnen geben können.

Um wie viele Wörter geht es überhaupt? Schwer zu sagen. Aber ein paar Zahlen kennen wir. Um das Sprachniveau B1 des Europäischen Referenzrahmens zu erreichen, muss man etwa 2.000 Wörter lernen. Weil die Wörter im Deutschen oft zusammengesetzt und umgebaut werden, können Sie dann mit diesen 2.000 ungefähr 8.000 Wörter verstehen. Die 2.000 werden allerdings bei weitem nicht reichen, wenn sie beispielsweise alle Wörter in den Schulbüchern des 4. Schuljahres verstehen wollen. Wenn Sie sich auf eine Berufsausbildung vorbereiten und die Lehrbücher des ersten Ausbildungsjahrs verstehen wollen, brauchen Sie schon mehr als 20.000 Wörter. Die meisten Menschen kriegen das ganz gut hin, sogar in einer Fremdsprache. Die englische Lexikologin Jean Aichison hat mal bemerkt, dass sie viel Respekt hat vor der Fähigkeit des Gehirns, 30.000 und mehr Wörter sozusagen an der Oberfläche bereitzuhalten, immer dann, wenn man sie braucht. Viel mehr als vor seiner Fähigkeit 10 bis 20 Grammatikregeln zu erinnern. Ein System, das so etwas kann, muss gut organisiert sein. Wenn man die Systematik kennt, kann man auch das Lernen von Wörtern so organisieren, dass man sie besser behalten kann. Die zweite gute Nachricht ist: Die Wörter helfen auch dabei grammatische Regeln zu lernen.

Wer so viele Wörter lernen will, braucht also Kenntnisse über das System der Wörter im Kopf, einen Plan und gute Strategien. Wort für Wort zu lernen ist keine gute Strategie. Das führt nicht sehr weit. Genau hier beginnt ihre Lern-Coaching-Zone. In dieser Mini-Vorlesungsreihe möchte ich Ihnen ein paar Tipps für bessere Strategien geben. Schauen Sie sich die Mini-Vorlesung ein oder zweimal an und machen Sie für sich eine Liste: Was bedeutet das alles für Ihre Sprachberatung? Mein Vorschlag ist: Finden Sie zunächst heraus, wie die Menschen, die Sie beraten, im Moment Wörter lernen. Machen sie Notizen auf der linken Seite eines Blattes. Notieren Sie auf der rechten Seite des Blattes, welche Tipps Sie ihren Lernern stattdessen geben wollen. Nehmen Sie dann Beispiele aus dem aktuellen Sprachkurs ihrer Lernen und zeigen Sie ihnen ganz konkret, was man ändern kann. Sprechen Sie in der nächsten Woche dann mit ihnen über die Erfahrungen. Wiederholung ist wichtig. Machen Sie Erfolge bewusst. Notieren Sie dann auf der linken Seite, was ihre Lerner verändert haben. Erinnern Sie sie auf diese Weise daran, was ihnen beim Lernen geholfen hat. Die Strategien des Lernens von Wörtern sollten regelmäßig Gesprächsthema sein. 

Die Videos zu folgenden Themen werden  über den Youtube-Kanal von wb-web veröffentlicht: 

  1.  "Sprachen lernen" heißt vor allem Wörter lernen
  2. Wortschatzarbeit statt Vokabeln pauken
  3. Was heißt: „Ich kenne ein Wort“
  4.  Wörter, die man zusammen lernen sollte
  5. Die Ordnung der Dinge oder wie man Lernumwelt baut
  6. Wörter lernen mit dem Handy
  7. Sprachgefühl
  8. Regeln erkennen

  CC BY SA 3.0 DE by Hermann Funk für wb-web.de 


Professor Hermann Funk lehrt an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Eine Übersicht zu seinen Tätigkeiten finden Sie hier.

Video 1: "Sprachen lernen" heißt vor allem Wörter lernen

Video 2: Wortschatzarbeit statt Vokabeln pauken

Video 3:  Was heißt: „Ich kenne ein Wort“

Video 4:  Wörter, die man zusammen lernen sollte

Video 5: Die Ordnung der Dinge oder wie man Lernumwelt baut

Video 6:  Wörter lernen mit dem Handy

Video 7:  Sprachgefühl

Video 8:  Regeln erkennen