Angelika Gundermann Blog

DIE Zeitschrift heißt jetzt "weiter bilden"

Titelblatt der Zeitschrift weiter bilden

Cover der aktuellen Ausgabe der rundum erneuerten DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung, die jetzt den Titel "weiter bilden" trägt. (Bild nicht unter freier Lizenz)

Neuer Name und neuer Look für die „DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung“: Mit der aktuellen Ausgabe bekommt die Fachpublikation des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE) eine hochwertigere Aufmachung und eine neue klare Designsprache. Unter dem neuen Namen „weiter bilden“ finden Leserinnen und Leser die bewährten Inhalte in neue Rubriken geordnet. Der neue Name verdeutlicht, dass die Zeitschrift noch stärker als bislang auf das Praxisfeld der Erwachsenen- und Weiterbildung fokussieren wird. Passend zum Relaunch der Zeitschrift lautet das Thema der aktuellen Ausgabe „Neustart. Kontinuität und Wandel in der Erwachsenenbildung“. Im Interview mit wb-web stellen die Herausgeber Josef Schrader und Peter Brandt das neue Heft vor. 

wb-web: Wie würden Sie jemandem, der die DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung noch nicht kennt, beschreiben, warum er oder sie das neue Heft „weiter bilden“ lesen sollte?

Peter Brandt: „weiter bilden“ erfüllt die Ansprüche eines Fachmediums besonders gut. Fachmedien haben ja die Funktion, über Trends und Debatten in dem jeweiligen Handlungsfeld zu informieren, in dem die Fachleute, die das lesen sollen, unterwegs sind. Zeitschriften liefern, wenn sie gut sind, Reflexionsräume für die eigene Arbeit; also Räume, in denen man das eigene Handeln nochmal befragen lassen kann im Hinblick auf das, was auch unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten relevante Positionen und Diskussionen sind. Fragestellungen und Themen loslassen auf die eigene Arbeit, sich mal zurückziehen, die Dinge mit etwas Distanz betrachten, das gelingt „weiter bilden“ in sehr hoher fachlicher und journalistischer Qualität. Die Zeitschrift ist dabei gelegentlich mit Witz unterwegs, auf jeden Fall mit viel Liebe zum Handlungsfeld.

Außerdem ist „weiter bilden“ einfach schön. Fachmedien im Bildungsbereich haben meist einen gravierenden Nachteil: entweder sie sind sehr schick, dann sind sie meist vom Inhalt her zu kommerziell oder zu werblich; oder umgekehrt, wenn sie inhaltlich anspruchsvoll sind, dann sind sie ästhetisch leider oft eine Katastrophe. Die neue Zeitschrift unter dem Titel „weiter bilden“ versucht so etwas wie eine ästhetisch ansprechende Form der Professionalisierung von Bildungspersonal.

wb-web: Wie kam es zu dem neuen Titel?

Peter Brandt: Ja, die Zeitschrift hat einen neuen Titel, wir nennen Sie nur noch im Untertitel „DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung“. Sie hat einen neuen Haupttitel, der lautet „weiter bilden“.

Warum haben wir das gemacht? Die DIE Zeitschrift war mit ihrem bisherigen Titel schon eine eingeführte Sache. Aber auch eine, die die Leserschaft in einer gewissen Hinsicht enggeführt hat: Diejenigen, die in dem Handlungsfeld unterwegs sind, sich aber nicht so explizit als Erwachsenenbildner verstehen, konnten sich in diesem Titel nicht gut wiederfinden. Wir denken, dass es sinnvoll ist, einen Titel zu finden, der das gesamte Handlungsfeld der Erwachsenen- und Weiterbildung adressiert. Wir haben sehr umfangreiche Teilfelder der beruflichen und betrieblichen Weiterbildung, die mit dem Begriff der Erwachsenenbildung meist nicht so eng verknüpft sind. Diese zwei klein geschriebenen Worte „weiter bilden“ sollen zum Ausdruck bringen, dass das, was unsere Leserinnen und Leser eint - nämlich, dass sie andere bilden -, dass sie das bitte noch lange und immer weiter tun sollen. Dass es darauf ankommt, dass wir hier engagierte Personen haben, die es sich zu ihrer Lebensaufgabe machen, andere weiter zu bilden. Das kann temporär verstanden werden und ebenso auch im Sinne von Weite, dem Horizont, der „weiter“ wird. Es ist also nicht der Begriff der Weiterbildung damit im Titel, sondern wir pointieren das Bilden. Und haben natürlich den positiven Nebeneffekt, dass Personen, die sich als Weiterbildner bezeichnen, sich mit dem Titel „weiter bilden“ vermutlich auch gut identifizieren können.

weiter bilden Rubrik Auslese

Die Rubrik "Auslese" im aktuellen Heft der Zeitschrift "weiter bilden". 

weiter lesen Rubrik Beitrag

Peter Brandt in der Rubrik "Beitrag" zum Relaunch.

weiter bilden Rubrik Ticker

Die neue Rubrik "Ticker" mit Nachrichten aus der Erwachsenen- und Weiterbildung.

(Alle Bilder zu diesem Beitrag nicht unter freier Lizenz)

wb-web: Was ist jetzt tatsächlich neu außer dem Titel? Und warum ist das jetzt anders und besser?

Peter Brandt: Wir haben jetzt ein Rubrikenkonzept, dass sich in den Kolumnentiteln der Zeitschrift wiederfindet; das konsequent durchgearbeitet ist anhand einer weiterbildungsnahen Terminologie, die Anleihen bei der Veranstaltungsdurchführung nimmt. Wir starten am Anfang mit dem Inhaltsverzeichnis, das „Agenda“ heißt, wir haben dann Rubriken, die heißen „Impuls“, „Einblicke“, „Anblicke“, „Stichworte“, „Beiträge“ und „Gespräch“ sowie „Nachfragen“. In der Mitte des Heftes sammeln wir Wichtiges in einer Rubrik „Tafelbild“. Wir präsentieren „Lernorte“ und bieten Praktisches wie „Fingerübungen“, die „Tagungsmappe“ und „Neue Medien“. 

Das heißt, wir haben ein Rubrikenkonzept, in dem sich Begriffe und Alltagsdinge aus dem Handlungsfeld, in dem die Leserinnen und Leser unterwegs sind, auf einer Metaebene spiegeln. Das ist als Konzept neu, aber nicht alle dieser Rubriken sind tatsächlich auch in der Substanz neu. Es gibt viel, was wir bewahrt haben, was unsere Leser immer goutiert haben: die Rubriken „Stichwort“ und „Gespräch“ und die einzelnen Beiträge sind im Grunde genommen so, wie sie waren. Wir haben andere Dinge umbenannt: „Praxisumschau“ heißt heute „Einblick“, die Rubrik „Magazin“ heißt jetzt „Ticker“ und ist jetzt wesentlich knapper im Nachrichtengehalt.

Neue Rubrik „Fingerübung“

Andere Bestandteile der ehemaligen Rubrik „Magazin“ finden sich jetzt in der „Tagungsmappe“, etwa Berichte von Veranstaltungen, die unsere Redakteure oder auch Leserinnen und Leser besucht haben. Wir haben nach wie vor den „Kalender“, das hieß früher „Veranstaltungstipps“, wir haben den Teil „DIE intern“, der heißt jetzt „Hauspost“. Aber wir haben auch neue Rubriken, die eine stärkere Personalisierung ermöglichen und eine stärkere Praxisorientierung einbringen. Das heißt, wir stellen Bildungseinrichtungen vor – unter der Rubrik „Lernort“. Wir stellen Protagonistinnen und Protagonisten der Erwachsenen- und Weiterbildung vor in Form einer „Fingerübung“, das heißt, sie vervollständigen vorgegebene Satzanfänge handschriftlich. Diese neue Seite bringt damit sehr viel persönliches Profil rüber. So etwas funktioniert natürlich nur im gedruckten Medium, das würden wir online in der Form nicht gut hinbekommen.

Eine andere neue Rubrik heißt „Auslese“, in der sich Redakteure die Mühe machen, aus Forschungsbeiträgen eine Quintessenz herauszuarbeiten und als One-Pager zusammenzufassen mit einer Grafik und einem erklärenden Text.

Neu ist auch die Rubrik „Impuls“ am Schluss des Heftes; ein Fachbeitrag, der Dinge pointiert, der Konzepte und Strategien präsentiert zum Weiterdenken, zum Anknüpfen auch vielleicht für die nächste Zeitschrift.

Josef Schrader: Besser für mich als  Mensch, der durch haptische Eindrücke angesprochen wird,  ist sicher die Qualität des Papiers, keine Frage.  Mir gefällt im Grundsatz auch die Entscheidung für bestimmte Farben, für bestimmte Schrifttypen, für die Gestaltung von Seiten. Da will ich aber auch nicht verleugnen, dass es intern unterschiedliche und auch kontroverse Diskussionen gegeben hat darüber, was aus der Perspektive der Leserinnen und Leser die beste Form der Gestaltung einer solchen Zeitschrift ist. Dennoch: Insgesamt hat sie meinem Eindruck nach in der Gestaltung sehr gewonnen. Und es gibt auch einige neue Akzente, die wir setzen bezogen auf Rubriken, Inhalte, wie Peter Brandt bereits geschildert hat. 

weiter bilden Rubrik Fingerübung

Die neue Rubrik "Fingerübung" zeigt Handschriftliches.

weiter bilden Rubrik Gespräch

In der Rubrik "Gespräch" ein Interview mit Wolfgang Bosbach.

wb-web: Nur wenige Artikel der DIE Zeitschrift erscheinen bisher auch als Online-Angebot. Das DIE verfolgt seit 2012 eine Open-Access-Strategie. Die Zeitschrift für Weiterbildungsforschung kann dementsprechend kostenlos online gelesen werden. Warum gilt das nicht für die Zeitschrift „weiter bilden“?

Josef Schrader: Ja, das ist auf den ersten Blick in der Tat begründungspflichtig, möglicherweise erscheint es sogar als widersprüchlich. Wenn man sich das gesamte Publikationsportfolio des DIE ansieht, dann stellt man aber schnell fest, dass wir nicht entweder Print oder digital machen, sondern dass wir versuchen, das eine mit dem anderen  mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen zu kombinieren. Die klassische Reihe „Theorie und Praxis“ wird für Teilpublikationen auch als Open-Access-Publikation angeboten, aber wir haben nach wie vor die gedruckte Variante und haben auch keine Einbußen bei den Verkaufszahlen, dadurch dass wir Open Access parallel anbieten. Dennoch gehen wir davon aus, dass das ein Format sein wird, das auf absehbare Zeit weiterhin sowohl in der gedruckten als auch in der digitalen Form zur Verfügung stehen wird.

Digitale und gedruckte Publikationen sinnvoll miteinander verknüpfen

Am anderen Ende unserer Skala zur Publikationsstrategie steht dann sicher wb-web, wo Angebote nur digital angeboten werden. Aber auch da wäre es, glaube ich, verkürzt, davon auszugehen, dass diese Angebote „nur noch“ am PC bearbeitet würden, sondern wir gehen davon aus, dass zum Beispiel Lehrkräfte Unterrichtsmaterialien, didaktische Konzepte sich selbst auch ausdrucken, um sie dann in ihrem Unterrichtsalltag zu verwenden. Von daher ist unsere Erwartung die, dass wir nicht zulaufen auf eine Publikationswelt, die zukünftig nur noch digital realisiert werden wird, sondern, dass es eine Publikationswelt geben wird, wo digitale mit gedruckten Exemplaren sinnvoll miteinander verknüpft werden.

Bezogen auf die Zielgruppe, die wir hier insbesondere mit der neuen Zeitschrift „weiter bilden“ avisieren, gehen wir davon aus, dass das eine Gruppe ist, die nach wie vor gerne gedruckte Exemplare von Büchern oder Zeitschriften in die Hand nimmt, gerne blättert, gerne solche Zeitschriften auch mit auf die Reise nimmt, in die Straßenbahn oder den Zug, die gerne vor- und zurückblättert, die gerne Bilder auch in Ruhe betrachtet, nicht nur in der verzerrten und verkürzten Form auf einem Bildschirm. Von daher denken wir, dass es für diese Adressatengruppe eine richtige Entscheidung gewesen ist, weiterhin gedruckte Exemplare der Zeitschrift vorzuhalten. 

weiter bilden Rubrik Nachfrage

Die Rubrik "Nachfrage" stellt im aktuellen Heft vier Fragen an Rudolf Tippelt.

wb-web: Dennoch haben Sie am DIE jetzt einen Relaunch dieses „Klassikers“ für nötig gehalten. Welche Gründe gab es dafür?

Josef Schrader: Wir hatten nicht den Eindruck, dass die Zeitschrift an Beachtung, an Reputation verliert. Ganz im Gegenteil, alles was wir wissen, spricht dafür, dass sie in bestimmten Bereichen der Erwachsenenbildung und Weiterbildung hohe Anerkennung genießt, breit genutzt wird und tatsächlich auch gelesen und nicht nur abonniert wird. Dennoch entwickeln sich natürlich Erwartungen an die Qualität von Papier, an die Gestaltung von Zeitschriften, an Schrifttypen, an Lesegewohnheiten, an die Nutzung von Farben weiter. Und das haben wir versucht aufzugreifen bei dem Relaunch und intern sehr intensiv und teilweise auch kontrovers darüber diskutiert, wie wir diese Zeitschrift neu gestalten können, so dass sie leserfreundlicher wird, als sie das bisher ist.

wb-web: Welchen Artikel in der neuen Zeitschrift sollten wb-web-Nutzerinnen und -Nutzer als Erstes lesen?

Peter Brandt: Das Passendste wäre, sie würden den „Einblick“ aufschlagen, da haben wir eine Geschichte über einen Mathematik-Didaktiker, Heinz Lohse, der schon über neunzig Jahre alt ist, und seit mehr als fünfzig Jahren an der Volkshochschule Leipzig lehrt. Eine überaus beeindruckende Persönlichkeit, die mit ganz viel Fingerspitzengefühl von Anne-Cathrin Suske porträtiert worden ist. Für Kursleitende und Dozenten, die bei wb-web unterwegs sind, eine Geschichte, die sie gerne lesen werden.    

wb-web: Vielen Dank für das Gespräch.

Josef Schrader

Prof. Dr. Josef Schrader ist wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung - Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V. (DIE) in Bonn und Herausgeber der Zeitschrift "weiter bilden. DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung".

Verlagsinformationen

Informationen zur aktuellen Ausgabe und zum Abonnement finden Sie auf der Homepage von wbv Media.