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DaF und DaZ: Aktuelle Herausforderungen

Wie wirkt sich der gegenwärtige Zustrom an Geflüchteten und Migranten auf die Fächer Deutsch als Fremdsprache (DaF) und Deutsch als Zweitsprache (DaZ) aus? Im Jahr 2015 kamen etwa 1,1 Millionen Flüchtlinge nach Deutschland. Damit diese Menschen ihren Alltag selbstständig bewältigen und sich langfristig hier integrieren können, sind Kenntnisse der deutschen Sprache unabdingbar.

Matthias Jung ist der Vorstandsvorsitzende des Fachverbandes für Deutsch als Fremdsprache (FaDaF). In seinem Vortrag DaF/DaZ im Zeichen der Flüchtlingsdebatte auf der 5. DaFWEBKON skizzierte er einige Bereiche, in denen die aktuellen Entwicklungen die Fächer beeinflussen:

Lehrermangel an Schulen

Unter den Geflüchteten befinden sich knapp 200.000 Kinder im schulpflichtigen Alter sowie etwa 50.000 Kinder im Kindergartenalter. Jung rechnete vor, dass somit etwa 12.000 zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer benötigt werden.

Eine Kreidetafel auf der steht "Lehrer gesucht"

Bild: Gerd Altmann/pixabay.com, CC0

Um den Bedarf zu decken, werden unter anderem bereits pensionierte Lehrkräfte zurück an die Schulen geholt, obwohl diese selten über eine DaZ-Zusatzausbildung verfügen.

Jung forderte, stattdessen vermehrt DaF- und DaZ-Kräfte an Regelschulen einzustellen und DaZ als eigenständiges Schulfach einzuführen. In der Lehrerausbildung wird DaZ zwar an vielen Universitäten angeboten, hat aber lediglich den Status eines dritten Fachs oder Nebenfachs – wie ein „drittes Rad am Wagen“, so Jung.


Lehrermangel in Integrationskursen

Auch für die Integrationskurse des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mangelt es an Lehrpersonal.

Integrationskurse gibt es bereits seit 2005. Sie richten sich an Ausländer, die sich dauerhaft und mit einer Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland aufhalten. Im Oktober 2015 wurden die Kurse (unter bestimmten Bedingungen) auch für Geflüchtete geöffnet, was einen Anstieg der Teilnehmerzahlen zur Folge hat.

Die Dozentinnen und Dozenten in Integrationskursen müssen eine spezielle Zulassung des BAMF vorweisen können, die man durch ein entsprechendes Studium und/oder eine Zusatzausbildung erhält. Veranstaltet werden die Integrationskurse nicht durch das BAMF selbst, sondern durch qualifizierte Träger wie Volkshochschulen oder private Sprachschulen. Diese stellen ihre Lehrerinnen und Lehrer in der Regel nicht fest ein, sondern engagieren sie als Honorarkräfte. Die problematischen Arbeitsbedingungen von Honorarkräften in der Erwachsenenbildung wurden bereits auf wb-web.de thematisiert.

Laut Jung gibt es zwar ca 24.000 für Integrationskurse zugelassene Lehrerinnen und Lehrer, doch nur 8.000-10.000 davon sind aktiv. Die unattraktiven Rahmenbedingungen spielen dabei vermutlich eine große Rolle. 

Einstiegskurse ohne Qualitätskriterien

Im Gegensatz zu den Integrationskursen wurden die sogenannten Einstiegskurse als Reaktion auf die hohen Flüchtlingszahlen eingerichtet. Im Herbst 2015 gab die Bundesagentur für Arbeit bekannt, als einmalige Maßnahme zur Sprachförderung Einstiegskurse für Asylsuchende mit guter Bleibeperspektive zu finanzieren. Diese Kurse sollten spätestens Ende des Jahres beginnen und rund 300 Unterrichtsstunden umfassen. Zum Vergleich: der Integrationskurs besteht aus 600 Stunden Sprachunterricht.

Schnelle Kurse mit wenig Bürokratie – was grundsätzlich begrüßenswert klingt, führte dazu, dass auch Träger ohne Qualifizierung oder Erfahrung in der Sprachvermittlung (z.B. Fahrschulen) Deutschkurse organisierten. Dieses Problem wurde unter anderem in einem Beitrag des Magazins Frontal21 thematisiert. 

DaF oder DaZ?

Der Begriff Deutsch als Fremdsprache wird klassisch für gesteuerten Deutschunterricht im Ausland verwendet (z.B. an einer Schule, einer Universität oder einem Goethe-Institut im Ausland), während Deutsch als Zweitsprache den (oft ungesteuerten) Erwerb in einem deutschsprachigen Land bezeichnet.

Doch die Unterschiede zwischen DaF und DaZ verschwinden zusehends, so Jung. Es komme zu einer DaF-DaZ-Verwirrung und einer Vermischung der Disziplinen, die aber grundsätzlich nicht negativ zu sehen sei.


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