Chris Nowacki News

Kursleitende im Dialog: Mitsprache in der Erwachsenenbildung

Screenshot Video Nittel

Vertretungen von Kursleitenden, auch Dozent*innenvertretungen oder Kursräte genannt, gelten in der Erwachsenenbildung und den damit verbundenen Einrichtungen eher als Ausnahme denn als Regel. Prof. i.R. Dr. Dieter Nittel (Dialog Erwachsenenbildung) hat das Thema in drei aufeinander aufbauenden Gesprächsrunden aufgegriffen, die nach und nach erschienen sind: Zunächst berichten Kursleitende aus ihrer Praxis, dann reagieren Gewerkschaften und VHS-Verband, und im dritten Teil haben die Praktiker*innen das letzte Wort. Die Reihe zeigt, warum demokratische Teilhabe der Lehrenden oft nur schwer gelingt, aber dennoch unverzichtbar ist.

Video 1: „Kursleiter*innenvertretungen: Orte der demokratischen Teilhabe?"

Im knapp einstündigen Video berichten fünf aktive Kursleiter*innen aus ganz Deutschland im Austausch mit Nittel von ihren Erfahrungen als Mitglieder von Interessenvertretungen. Ihr Fazit ist ernüchternd: Institutionsseitige Praktiken für wirkungsvolle Mitsprache und Mitbestimmung sind rar. Strukturbedingt sei das Interesse der Organisationen an der Förderung solcher Vertretungen gering, ebenso wie die Motivation vieler Kursleitender für die unbezahlte Zusatzarbeit selbst. Trotzdem sehen die Berichtenden keinen Grund, ihr Engagement aufzugeben – im Gegenteil: „Die Demokratie lebt im Kleinen und nicht nur auf der großen Bühne.“

Video 2: „Kursleiter*innen-Vertretungen: Die gewerkschaftliche und die verbandspolitische Perspektive"

Anknüpfend an die Erfahrungsberichte aus dem ersten Video kommen im Anschlussgespräch drei weitere Stimmen zu Wort: Dr. Isabel Carqueville (GEW), Thomas Winhold (Verdi) und Dr. Christian Köck (Direktor des hessischen VHS-Landesverbandes) diskutieren gemeinsam mit Nittel, welche Implikationen die aktuelle Vertretungsstruktur von Kursleitenden hat und ob die derzeitige Situation bildungspolitisch vertretbar ist. Die Diskussion macht deutlich: Einfache Antworten gibt es nicht, doch der Verzicht auf Partizipation kann auch bedeuten, auf die Expertise und Kreativität der Lehrenden in den Entscheidungsprozessen der Organisationen zu verzichten.

Kursleiter*innen beklagen Lücke zwischen demokratischem Anspruch und Realität

Im dritten Teil der Reihe können die Kursleiter*innen aus dem ersten Video auf die Einschätzungen von GEW, Verdi und dem hessischen VHS-Landesverband reagieren. Das Format kehrt damit die übliche Reihenfolge bildungspolitischer Debatten um, in denen meist die Verantwortlichen den Schlusspunkt setzen. Über die Spanne der drei Gespräche hinweg wird sichtbar, wie weit Bildungspolitik und Bildungspraxis auseinanderliegen können. Um den entgegenzuwirken, müssen Lehrende, Träger und Politik durch bessere Beteiligungsmöglichkeiten wieder stärker ins Gespräch kommen.