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Was müssen Lehrende über digitale Medien wissen?

Die Digitalisierung wirkt sich auf alle Bereiche der Gesellschaft aus – auch auf den Bildungssektor. Insbesondere im Bereich der Lehrerbildung wird die medienpädagogische Kompetenzentwicklung als ein wichtiger Teil der Ausbildung angesehen. Sie wird von der Kultusministerkonferenz empfohlen und ist in einigen Ländern in den curricularen Standards integriert. Nur medienpädagogisch kompetente Lehrende können die Schülerinnen und Schüler auf die digitalisierte Welt vorbereiten und ihnen die benötigte Medienkompetenz vermitteln.  

Wenn man sich die Professionalisierung in der Erwachsenen- und Weiterbildung ansieht, werden Medien und die damit verbundenen Kompetenzanforderungen häufig nur angerissen. Dabei bieten digitale Medien viele Vorteile für das Lehren und Lernen. Sie bieten zeitliche und örtliche Flexibilität, unterstützen den differenzierten Umgang mit heterogenen Lerngruppen und schaffen neue Zugänge für Zielgruppen und Darstellungsmöglichkeiten für Lerninhalte.   

Herausforderungen für die Erwachsenenbildung  

Lehrende in der Weiterbildung stehen damit vor der Herausforderung, die digitalen Trends und die Entwicklungen zu beobachten, zu verstehen und bei der Gestaltung von Lehr-Lernsituationen zu berücksichtigen. Sie benötigen medienpädagogische Kompetenz, um digitale Medien zu nutzen, sie als Werkzeug in Präsenz- und Onlinelehre einzusetzen, Lernumgebungen zu gestalten, Online-Beratung durchzuführen und auch die Medienkompetenzentwicklungen bei Lernenden zu fördern. Die Erwachsenenbildung steht vor der Aufgabe, die Lernenden bei ihrer digitalen Teilhabe zu unterstützen und auch in ihrer kritischen Medienkompetenz zu fördern. Wissen ist in der heutigen Zeit fast überall zugänglich. Dennoch haben nicht alle digitalen Inhalte den gleichen „Wert“. Durch das Internet ist es für jeden möglich, Inhalte zur Verfügung zu stellen. Um den eigenen Lernprozess auch informell gestalten zu können, müssen den Lernenden die Fähigkeiten vermittelt werden, mit den digitalen Inhalten kritisch umzugehen, sie zu bewerten und zu entscheiden, ob diese für das eigene Lernen einen Mehrwert bieten. 

Was ist medienpädagogische Kompetenz für Lehrende in der Weiterbildung?

Medienpädagogische Kompetenz kann als eine Facette der erwachsenenpädagogischen Kompetenz von Weiterbildern angesehen werden, die im digitalen Zeitalter Auswirkungen auf verschiedene Wissens- und Kompetenzbereiche hat.

Grundlegend sind medienbezogenes Wissen, wie z.B. medientechnologisches Wissen, Mediennutzungswissen und Mediengestaltungswissen sowie der reflektierte Umgang mit der Entwicklung (insbesondere) von Lehr-Lernmedien und die Fähigkeit, entsprechende Informationen zu finden und zu bewerten.

Um digitale Medien für die Lehre oder für die Gestaltung von Lernmaterialen zu nutzen, benötigen die Lehrenden neue Wissensbereiche, die dann, am jeweiligen Lernziel ausgerichtet, umgesetzt werden müssen.  

1. Mediendidaktisches Wissen

Digitale Medien können als Werkzeuge für die Gestaltung von Lehre (Präsenz- und Onlinelehre) eingesetzt werden. Hierfür ist das Wissen über die Möglichkeiten, die die Medien bieten, grundlegend. Es umfasst sowohl das Wissen um die Funktionen der Medien als auch das Wissen, wie diese für die Lehr-Lernsituation sinnvoll ausgewählt und eingesetzt werden. Auch Bereiche der Materialerstellung fallen in diesen Wissensbereich.

2. Medienpsychologisches Wissen

Digitale Medien sind sehr vielfältig in ihrer Wirkung und unterscheiden sich im Bereich der Wahrnehmung und der Konzentrationsspanne im Vergleich zu analogen Medien. Dieser Wissensbereich schließt Effekte der Medien auf den Menschen mit ein: Wie wirken die verschiedenen Medienformate und -inhalte im Bereich der Wissensverarbeitung, des Gedächtnisses und auch emotional? Neben den Chancen als erweiterndes Werkzeug für die Lehr-Lernsituation müssen auch Risiken (beispielsweise Suchtgefahr im Bereich Internet oder Smartphone) bekannt sein.

3. Lehr-Lerntechnologisches Wissen

Technologien und digitale Medien unterliegen einem ständigen Wandel, den die Lehrenden verfolgen müssen, um mit den aktuellen Entwicklungen Schritt zu halten. Für die Lehr-Lernsituation gibt es ein breites lerntechnologisches Instrumentarium, das sich ebenfalls ständig weiterentwickelt. Um auf dieses Instrumentarium zurückgreifen zu können, muss es bekannt sein und in seinen Funktionen verstanden werden. Um dieses Wissen aktuell zu halten, ist eine regelmäßige Auseinandersetzung mit technologischen Entwicklungen erforderlich.

4. Wissen über Medienkommunikation

In der digitalisierten Gesellschaft verändern sich die Kommunikationsstrukturen.

Die Form der Schriftsprache ist beispielsweise durch die starke Nutzung sozialer Medien einem Wandel unterzogen, der bei Einsatz solcher Strukturen auch für den Lernkontext interpretiert und umgesetzt werden muss. Für Lehrende ist von daher ein Grundlagenwissen über die unterschiedlichen Kommunikationsformen von digitalen Medien wichtig.

5. Medienbezogenes Kontextwissen

Medien haben einen Einfluss auf die Gesellschaft, das eigene Tätigkeitsfeld, die Organisation, in der der Lehrende tätig ist, und auch auf die Zielgruppe der Lernenden. Das Wissen über die Auswirkungen auf all diese Bereiche muss in der Gestaltung der Lehr-Lernsituation in Verbindung mit dem Lerngegenstand betrachtet werden. Die Verbindung der verschiedenen Ebenen ist für eine zielgruppenorientierte Lehr-Lernsituation wichtig. 

In Lehr-Lernsituationen müssen diese Wissensbereiche durch den Lehrenden angewendet werden, um für den Lernenden eine Lernunterstützung zu bieten – oder auch um Beratungsprozesse und Lernmaterialien zu gestalten. 

Medieneinsatz am Lernziel ausrichten

Den Lehrenden kommt die Rolle zu, alle medienpädagogischen Wissensbereiche reflektiert in die Gestaltung der Lehre zu integrieren. Dabei ist neben den Wissensebenen auch die Fähigkeit zum kritischen Umgang mit diesen Wissensbestand notwendig. Die Gestaltung des Lehr-Lernkontexts darf nicht an den Medien (Ausnahme: Medien als Inhalt) ausgerichtet werden. Medien müssen als Werkzeuge verstanden werden, die zur Unterstützung des Lernziels eingesetzt werden können. Individuelle Einstellungen spielen dabei eine wichtige Rolle, ob und welche Medien eingesetzt werden. Der reflektierte Umgang mit diesen persönlichen Einstellungen und Werten ist wichtig, um den Medieneinsatz nicht an der individuellen Wertschätzung der Medien, sondern den tatsächlichen Vorteilen und Wirkungen im Lehr-Lernprozess auszurichten.  

Digitale Medien als Lerninhalt für Erwachsenenbildner

Wie in allen anderen beruflichen Bereichen erfordert die Digitalisierung auch für Lehrende in der Weiterbildung eine Auseinandersetzung mit den digitalen Medien, um deren Bedeutung für das Lebenslange Lernen bewerten zu können. Erst dann können Entscheidungen für oder gegen (digitale) Medien kompetent getroffen werden. Die Auseinandersetzung mit (digitalen) Medien gehört daher auch verbindlich in die Curricula der Erwachsenenbildung/Weiterbildung.

Erwachsenenbildner müssen sich über die aktuellen technischen und medialen Entwicklungen auf dem Laufenden halten. Erforderlich sind das oben beschriebene Wissen und die entsprechenden Kompetenzen sowie die Fähigkeit zur Selbstregulation. Was dieses Wissen und diese Kompetenzen für Lehrende in der Erwachsenenbildung bedeuten, wird momentan im Forschungsprojekt MEKWEP (Link: http://www.die-bonn.de/id/32387/about/html/) untersucht. Die Schnelllebigkeit der technologischen Entwicklungen erfordert eine permanente Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken digitaler Medien. 

CC BY-SA 3.0 DE by Ricarda Bolten & Matthias Rohs für wb-web


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